Zum Livestream - 18:00 Uhr

Wenn ihr den Ertrag des Landes eingesammelt habt…
3.Mose 23,39

Seit Montagabend feiern Juden überall auf der Welt das Laubhüttenfest – Sukkot. Es ist das große Erntefest – das siebte Fest, im siebten Monat, das sieben Tage dauert – und steckt voll prophetischer Bedeutung. Einige Aspekte davon wird Martin heute mit dir betrachten.

 

Von den biblischen Festen ist das Laubhüttenfest das letzte Fest, das längste Fest und auch das fröhlichste Fest. Es ist ein ausgesprochen volkstümliches Fest – und gilt als „das Fest” überhaupt. Die Erntearbeit ist nun vorbei, die Frucht ist eingebracht, die Scheunen sind voll. Noch ist es möglich im Freien zu übernachten, ohne zu frieren.

Für die sieben Tage des Festes ist es dem gesamten Volk geboten, in Laubhütten zu wohnen, die man aus Zweigen von Palmen und verschiedenen Laubbäumen auf den Dächern, auf den Höfen und Straßen, und in früheren Zeiten auch im Vorhof des Heiligtums, errichtet hat.

Die Laubhütte ist, wie Schirm, Schild oder Flügel ein Sinnbild für den umfassenden Schutz und die gnädige Bewahrung Gottes, nicht nur während der vierzigjährigen Wüstenwanderung, sondern ganz allgemein während unseres irdischen Daseins. Gott sorgte in der Wüste Sinai auf übernatürliche Weise für Unterkunft, Kleidung und Nahrung, für Manna, Wachteln und Wasser. So erinnert Sukkot daran, dass man in irdischen Besitztümern keine Sicherheit, keinen festen Halt finden kann. Nur bei Gott gibt es wirklichen Schutz und einen sicheren Zufluchtsort.

In Israel ist es üblich, in den Hütten zu essen, mitunter auch zu schlafen. Das Dach der provisorischen, einfachen Hütten, die unter freiem Himmel stehen müssen, soll gemäß jüdischer Tradition so konstruiert sein, dass der Schatten, den die Zweige werfen, größer sein muss als die durch das eindringende Sonnenlicht beschienene Fläche, man aber trotzdem nachts die Sterne durch das Laubdach hindurch sehen kann. Als Material für das Dach ist alles geeignet, was aus der Erde wächst und abgeschnitten wurde, also beispielsweise auch Bambusstangen oder Strohmatten. Die Größe der Hütte ist ab einer gewissen Mindestgröße variabel. Sie kann für eine einzelne Person oder auch für Dutzende von Menschen konzipiert sein. Die Hütte ist winddurchlässig und steht immer offen, sie darf nicht verschlossen werden. Dies ist ein Bild für die Sensibilität und Offenheit gegenüber dem Wirken des Heiligen Geistes, des göttlichen Windes.

Die meiste Zeit des Laubhüttenfestes verbringt man in Israel auch heute noch in der einfach hergerichteten und mit grünen Zweigen und bunten Girlanden geschmückten Sukkah unter freiem Himmel.

 

Herrlichkeit ist einer der wichtigsten Begriffe der Heiligen Schrift. Herrlichkeit bezeichnet Gottes Erhabenheit und Vollkommenheit, seine Majestät und Macht, seine Souveränität und seinen Glanz. Wo immer sich Gott offenbart, da wird auch seine Herrlichkeit erkennbar. Er ist der „Vater der Herrlichkeit“. Die ganze Erde wird einst erfüllt werden von der Herrlichkeit des Herrn.

Das Alte Testament berichtet, dass bei der Einweihung des Tempels während der Zeit des Laubhüttenfestes die Schekina Gottes, die Herrlichkeit des Herrn, in den Tempel hineinkam und ihn ganz erfüllte. Das bedeutet nicht nur allein das verborgene Allerheiligste im hinteren Bereich, sondern das komplette Gebäude. Die Priester konnten nicht hinzutreten um ihren Dienst zu erfüllen, da die Gegenwart Gottes, die Wolke seiner Herrlichkeit, so überwältigend und ehrfurchteinflößend war. Gott nahm die Wohnstätte unter den Menschen an. Er akzeptierte, dass seine göttliche Herrlichkeit in diesem irdischen, von Menschenhand gemachten Heiligtum wohnen sollte:

… da wurde das Haus, das Haus des HERRN, mit einer Wolke erfüllt. Und die Priester konnten wegen der Wolke nicht hinzutreten, um den Dienst zu verrichten. Denn die Herrlichkeit des HERRN erfüllte das Haus Gottes. 
2.Chronik 5,13-14

Genau die gleiche Situation wird uns berichtet, als Mose viele Jahrhunderte zuvor das erste Heiligtum, die Stiftshütte, einweihte. Die Herrlichkeit des Herrn, die Wolke der göttlichen Gegenwart, erfüllte diese Wohnstätte Gottes unter den Menschen ebenfalls in einer Weise, dass Mose nicht hineingehen konnte. Auch hier hatte Gott die vergängliche Hütte als Wohnstätte seiner unvergänglichen Herrlichkeit angenommen:

Und Mose konnte nicht in das Zelt der Begegnung hineingehen; denn die Wolke hatte sich darauf niedergelassen, und die Herrlichkeit des HERRN erfüllte die Wohnung
2.Mose 40,35

Die Herrlichkeit des ewigen Gottes hatte sich einen Ort innerhalb der Begrenztheit seiner Schöpfung erwählt, an dem sie unter den Menschen „wohnen“ wollte.

Im Neuen Testament finden wir ebenfalls ein Adäquat zu diesen beiden Ereignissen, die Meilensteine von entscheidender Bedeutung in der Geschichte Gottes mit den Menschen sind. Es ist die Verklärung Jesu. Jesu stieg, nur von drei Jüngern als späteren Zeugen begleitet, auf einen Berg. Dort erfüllte ihn die Herrlichkeit Gottes, sein Angesicht veränderte sich, es wurde „leuchtend wie die Sonne“ und seine Bekleidung wurde strahlend weiß „wie das Licht“. Er beriet sich mit Mose und Elia. Mose steht für das Gesetz, für das Volk Israel, aber auch für die Verstorbenen, denn er ist der einzige Mensch, von dem es heißt, dass Gott selbst ihn begraben hat. Elia hingegen versinnbildlicht die Propheten, die neutestamentliche Gemeinde, die Lebenden, da er lebend von Gott in den Himmel aufgenommen wurde. Nach einer uralten jüdischen Lehre wird Mose zeitgleich mit Elia wiederkehren um die messianische Erlösung vorzubereiten. Dies geschah bei Jesu Verklärung:

Und siehe, zwei Männer redeten mit ihm [Jesus], es waren Mose und Elia. Diese erschienen inHerrlichkeit und besprachen seinen Ausgang, den er in Jerusalem erfüllen sollte. 
Lukas 9,30-31

Dann kam die Herrlichkeit des Herrn, die Wolke Gottes, die Schekina, vor den Augen der drei Jünger herab und überschattete sie alle, sie „kamen in die Wolke hinein“. Auch hier hatte Gott wieder eine vergängliche „Hütte“, einen menschlichen Leib, den Leib Jesu, als Wohnstätte für seine Herrlichkeit auserwählt.

Petrus nun, noch ganz dem Denken des Alten Bundes verhaftet, wollte in dieser Situation der Herrlichkeit Gottes eine Wohnstatt geben, also „Hütten bauen“:

Meister, es ist gut, dass wir hier sind; und lass uns drei Hütten machen, dir eine und Mose eine und Elia eine … 
Lukas  9,33

Er wusste, dass die Herrlichkeit Gottes und die irdische Laubhütte, die Sukkah, thematisch fest verknüpft zusammengehören. Seinem Denken gemäß war jetzt der Zeitpunkt gekommen das Laubhüttenfest, Sukkot zu feiern. So wollte er Laubhütten bauen. Er hatte, im alttestamentlichen Sinne, durchaus folgerichtig gedacht.