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Aus der Katastrophe erblüht die Erlösung!

Fasten im Sinne des Alten Testaments bedeutete in der Regel, dass weder gegessen noch getrunken wurde. Der Zeitraum für diese strenge und ernsthafte Art des Fastens betrug allerdings im Höchstfall drei Tage.65 In längeren Fastenzeiten war das Trinken von Wasser erlaubt und auch zwingend notwendig. Es wird berichtet, dass David sieben Tage lang nichts aß und bei Jesus heißt es, dass er vierzig Tage nichts aß und ihn dann hungerte. Es wird nicht erwähnt, dass ihn gedürstet hat.66 Im Alten Testament lebte Daniel drei Wochen lang von betont einfacher Nahrung, was als „sich vor Gott demütigen“ bezeichnet wurde.

So spricht der HERR der Heerscharen: Das Fasten des vierten und das Fasten des fünften und das Fasten des siebten und das Fasten des zehnten Monats wird dem Haus Juda zur Wonne und zur Freude und zu fröhlichen Festzeiten werden … 
Sacharja 8,19

Drei der in dieser Bibelstelle aufgeführten vier Fastentage beschäftigen sich mit dem Fall Jerusalems durch die Babylonier unter Nebukadnezar. Der salomonische „erste“ Tempel wurde zerstört und ein großer Teil des Volkes in die babylonische Gefangenschaft deportiert. Am 10. Tebet 589 v. Chr. begann die Belagerung Jerusalems. Am 17. Tammuz 586 v. Chr., etwa 30 Monate später, durchbrachen die Belagerer die Stadtmauer. Drei Wochen später, am 9. Ab 586 v. Chr., brannte der Tempel und für das besiegte Gottesvolk folgte das bittere Exil in Babylon.

Im vierten Monat, am 17. Tammuz, erinnert das Fasten an die Durchbrechung der Stadtmauer durch die babylonischen Belagerer. Der Tag markiert den eigentlichen Beginn der Zerstörung Jerusalems.

Mit diesem Termin beginnen drei Wochen der Trauer über die Zerstörung des Tempels und über das babylonische Exil. Sie enden mit dem 9. Ab. In diesen drei Wochen werden besondere Trauerriten eingehalten. Sie betreffen den Verzehr von Fleisch, das Trinken von Wein, das Anlegen frischer Kleider, das Schneiden von Haaren und sogar das Baden. Es werden keine Hochzeiten gefeiert.

Beide Tempelzerstörungen, die erste im Jahre 586 v. Chr. Durch die Babylonier unter Nebukadnezar und die zweite im Jahre 70 n. Chr. durch die Römer unter Titus fielen genau auf diesen Tag.

Gemäß jüdischer Tradition sollen an diesem Tag auch die Kundschafter, die unter Mose das verheißene Land auskundschafteten, kleingläubig zurückgekommen sein. Sie verführten das Volk zu Kleinmut und Murren, was die vierzigjährige Aufenthaltszeit in der Wüste als göttliche Strafe zur Folge hatte.

An diesem Tag fanden auch im weiteren Verlauf der Geschichte für das jüdische Volk tragische Ereignisse statt. Am 9. Ab fiel während des Bar Kochba-Aufstandes 135 n. Chr. die Festung Beitar unter dem Ansturm der Römer, begann 1290 n. Chr. die Vertreibung der Juden aus England, 1492 n. Chr. aus Spanien und im 20. Jahrhundert die ersten Deportationen aus dem Warschauer Ghetto.

Folgende Begebenheit soll sich an einem 9. Ab zugetragen haben: 
Napoleon soll einst an diesem Tag in eine Synagoge gekommen sein. Als er die Juden auf dem Boden sitzend und Klagelieder rezitierend vorfand, fragte er, welche schreckliche Katastrophe sie heimgesucht hätte. Ihm wurde geantwortet, dass die Juden um ihren Tempel trauern würden. Napoleon fragte, um welchen Tempel es sich handeln würde und wann dies geschehen sei. Als er vernahm, dass die Juden schon seit über 1.700 Jahren wegen der Zerstörung des Tempels in Trauer lebten, entgegnete er: 
„Solch ein Volk wird niemals ausgerottet werden! Wenn sie immer noch um ihren Tempel trauern, wird er einst wieder errichtet werden.“

Gemäß dem Talmud gehen Juden davon aus, dass der Messias am 9. Ab geboren wird, denn: „… aus der Katastrophe erblüht die Erlösung!“