Zum Livestream - 18:00 Uhr

Wenn euer Glaube nur so groß wäre wie ein Senfkorn… 
Lukas 17,6

Vor einiger Zeit hatte ich mit Bernd Kunze, einem Landwirt aus Sachsen einen Austausch, in dem es unter anderem um das Verhältnis zwischen Saatgut und Ernteertrag ging. Bernd gab mir einige bemerkenswerte Informationen weiter. Als markantestes Beispiel schrieb er mir über den Winterraps, der unter anderem deshalb interessant ist, weil der Samen winzig ist, ähnlich dem Senfsamen, den Jesus im Gleichnis aufgreift und der ebenfalls zur Familie der Kreuzblütler gehört. Er ist einer der Kleinsten in der Landwirtschaft, besitzt aber große Bedeutung.

Bei allen Arten von Feldfrüchten liegt der Ernteertrag um ein Vielfaches über der Menge der Aussaat, doch der Raps sticht durchaus heraus.

Bernd schrieb:

„Hier ein kleiner Vergleich. Dies sind durchschnittliche Angaben mit relativ guten Erträgen in einem normalen Jahr. Je nach Standort, Sorte, Anbauintensität und Witterungsbedingungen kann das noch variieren. 

 

Frucht                       Aussaat pro Hektar          Erträge pro Hektar            Faktor           

  • Sommergerste          140 - 160 kg                         60 - 75 dt                               500
  • Roggen                     120 - 130 kg                         60 - 90 dt                              550
  • Hafer                          110 - 125 kg                         60 - 80 dt                              600
  • Weizen                      160 - 180 kg                         80 - 110 dt                            600
  • Mais                               20 - 25 kg                         90 - 120 dt                            5.000
  • Senf                               12 - 14 kg                         20 - 30 dt                              2.000
  • Winterraps                        2 - 3 kg                         40 - 50 dt                              15.000 - > 20.000

 

Schon hierbei wird deutlich, warum das Beispiel mit dem Raps so gewaltig ist. Ich habe mich ein bisschen intensiver damit beschäftigt. Raps, insbesondere Winterraps, hat neben seiner extremen Vermehrungsrate einige bemerkenswerte und außergewöhnliche Fakten zu bieten, die uns in vielerlei Hinsicht ein Bild im Geistlichen sein können.

So ist der Winterraps die Frucht, die in unseren Lagen am längsten auf dem Feld steht, nämlich fast ein komplettes Jahr. Aussaat ist Ende August und die Ernte Ende Juli. Außerdem besticht er durch seine Pfahlwurzel, mit der er bis zu 180 cm in die Tiefe vordringen kann. Dadurch ist er in der Lage, durch Auswaschung für andere Früchte (Getreide) verloren gegangene Nährstoffe zu erschließen und auch in Trockenperioden seine Wasserversorgung zu sichern. Durch die vielfältige Verzweigung werden ganz nebenbei Verdichtungen auch in tieferen Schichten gelockert. Die Pfahlwurzel dient auch als äußerst effektiver Nährstoffspeicher, kann also Stressphasen der Pflanze sehr gut abpuffern. Pro Quadratmeter durchwurzeln etwa 60 Kilometer Wurzeln den Boden. Raps hinterlässt eine große und gut verteilte Wurzelmasse. Dies bedeutet für die Nachfrucht einige Vorteile. Die schnell zersetzbare und nährstoffreiche Wurzelmasse befindet sich zu 80% in 30 cm Tiefe, ist also gut vom Getreide erreichbar. Die Aussaat von Weizen nach Raps bringt 10% mehr Ertrag als nach einer Getreideart, was auch mit der guten Lockerung und damit besseren Bodenstruktur, einer besseren Bodendurchlüftung, der Wasseraufnahmekapazität, intaktem Bodenleben usw. resultiert. Kurz gesagt, Raps hinterlässt einen fruchtbaren Boden. Durch die Ausscheidungen aus der Wurzelmasse werden sogar bodenbürdige Erreger für Getreidekrankheiten nachweislich gehemmt. So kann man von Raps als einer Gesundheitsfrucht in der Fruchtfolge sprechen.

Natürlich gibt es viele Fakten, die den Anbau für den Landwirt zu einer Herausforderung machen. Es geht schon gleich nach der Aussaat los, wenn Erdflöhe und Schnecken die jungen Pflänzchen mit Vorliebe vernaschen. Rapsrüssler, Rapsglanzkäfer, Kohlschotenmücke u.a. können in extremen Befall bis zu Totalausfall der Ernte führen. Und kurz vor der Ernte gibt es die erhöhte Hagel- und Starkregengefahr, die die fast abgereiften Schoten im Nullkommanichts aufsprengen, so dass sie herausfallen und die Ernte stark vermindert wird. 

Eines ist mir beim Zusammentragen deutlich geworden. Wenn ich an einer übergroßen Ernte mitwirken will – und ist das nicht unser Auftrag in dieser Welt? –  muss ich im Vertrauen aussäen. Es kommt noch nicht einmal auf die Menge an. Ich muss es nur einfach tun. Ich darf nicht beim Nachgrübeln all dieser Schädlinge, Krankheiten und Gefahren stehen bleiben. Selbst wenn sich die Lage aussichtslos anfühlt, ja paradox erscheint oder uns die Welt einzuschüchtern versucht. Es geht darum, in aufrechter Haltung zu proklamieren. Wir brauchen keine falsche Scham, müssen uns nicht verstecken. Wir haben Autorität.

Ist es nicht gewaltig, was in der unsichtbaren Welt in Bewegung kommt? Und wir müssen geduldig dabei sein, auch wenn wir selbst nichts sehen können. Wieviel Gegenwind, ja Angriffe von außen da einwirken! Und doch sind wir so abhängig vom Herrn, können es nicht durch unsere eigene Leistung bewerkstelligen. Letztlich vertrauen wir, dass Er die Ernte heranreifen lässt.

In dieser Zeit müssen wir uns für die kommende Ernte rüsten. So wie der Landwirt seinen Mähdrescher überholt, Klingen auswechselt und schärft u.v.m. Da kommt mir noch ein Spruch von Ernst Modersohn in den Sinn, der die Zeit der Vorbereitung der Ernte genial in ein uraltes Bild aus der Landwirtschaft legt: Das Dengeln der Sense verzögert das Mähen nicht!

Wenn ich als gelernter Landwirt dies noch einmal mit dem Beispiel Raps untermauern darf: Es werden 2 bis 3 kg pro Hektar ausgesät und im Folgejahr über 5 Tonnen pro Hektar geerntet. Das sind über 5.000 kg pro Hektar. Das Rapskorn ist so klein wie ein Senfkorn. Und Jesus sprach zu Seinen Jüngern:

Wenn euer Glaube nur so groß wäre wie ein Senfkorn, könntet ihr zu diesem Maulbeerbaum sagen: Reiß dich mitsamt deinen Wurzeln aus der Erde und verpflanze dich ins Meer! – es würde sofort geschehen. 
Lukas 17,6

Wird also der Samen, den wir im Glauben ins Reich Gottes säen, nicht noch eine viel gewaltigere Ernte hervorbringen, wenn wir dies schon in Seiner genialen Schöpfung so eindrücklich erleben dürfen? Wenn selbst ein Samenkorn sich tausendfach vermehren kann, um wieviel größer und gewaltiger ist es dann im Geistlichen?“

 

Ich dachte über die Informationen von Bernd nach. Vielleicht gab es zu Jesu Zeit tatsächlich nur die Möglichkeit, dreißig-, sechzig- oder in besonders guten Jahren hundertfältigen Ernteertrag einbringen zu können. Doch mit unseren heutigen Möglichkeiten in der Landwirtschaft sind vollkommen andere Erträge der Normalfall. Genau das Gleiche gilt für die Verkündigung des Evangeliums. Denken wir nur an die Evangelisationen von Reinhard Bonnke, die für eine gigantische Ernte auf dem afrikanischen Kontinent stehen. Daniel Kolenda, der das Missionswerk Christus für alle Nationen heute leitet, plant weitaus Größeres als das, was bisher erreicht wurde. Sein persönliches Lebensziel ist, dazu beizutragen, dass eine Milliarde Menschen für Jesus Christus gewonnen werden.

Die heutige Zeit bietet komplett andere Möglichkeiten und Chancen, eine große Zahl von Menschen mit dem Evangelium zu erreichen, als es früher der Fall war. Keiner von uns sollte zu klein von den Möglichkeiten denken, die sich jedem von uns bieten. Wenn wir bereit sind, in der Ernte zu arbeiten, kann der Herr uns gebrauchen und Großes wird geschehen.