Wartesaal

Ein prophetisches Bild

Der Typ der mich abgeholt hat, ist schon eigenartig. Ich habe eigentlich selten so jemanden gesehen. Sehr selten. Er ist irgendwie beängstigend, in seiner Mr.-Universum-verdächtigen Männlichkeit. Groß, mindestens einen Kopf größer als ich. Breitschultrig, muskulös und irgendwie maskulin herb. Mit zurückgekämmtem Haar, leicht gebräunter Haut und diesen sonderbaren Augen. Irgendwie blau und klar und selbst wenn er mich direkt anschaut, doch wie in weite Ferne gewandt. Sein Blick ist nicht stechend, aber doch so, dass ich ihn nicht länger als 2 oder 3 Sekunden aushalten kann. Ich schaue ihn im Laufen aus den Augenwinkeln an. Geradezu beklemmend ist mir die unmittelbare Gegenwart eines solchen Menschen.

Gegen seine vollkommen ungezwungene Ausstrahlung komme ich mir noch mehr als sonst wie ein Gnom vor, etwas krummbeinig mit Stirnglatze, Zahnprothese, unsauberer Haut, Komplexen – und vor allem komme ich mir dreckig vor. Wie schmutzbesudelt. Mehrfach habe ich mich schon dabei ertappt, an mir heruntergeschaut zu haben, aber da ist nichts zu sehen, zumindest nicht mehr als sonst. Sicherlich, die Hose ist schon lange getragen und das sieht man auch, das Hemd ist am Kragen durchgewetzt und der Knopf fehlt noch, den ich mir abgerissen hatte, die Schuhe sind auch ziemlich ausgelatscht. Aber in Gegenwart dieses Menschen, der in meinen Gedanken immer wider das Wort „Vollkommenheit“ aufdämmern lässt, fühlte ich mich geradezu von mir selbst angewidert.

Warum gehe ich eigentlich mit? Mit diesem Mann, den ich nicht kenne, der mir keinen Namen gesagt hat und dessen Wesen so unterschiedlich zu dem meinen ist, dass ich mich vor mich selber schäme. Ja, eigentümlich – was hat mich eigentlich dazu getrieben, mit ihm mitzugehen? Er stand auf einmal vor mir, sagte, ich solle ihm folgen und ohne nachzudenken latschte ich einfach hinter ihm her. So kenne ich mich gar nicht. Und dann diese eigenartige Kleidung, die er trägt. Irgendwie zu hell, zu strahlend. Ich dachte schon an diese albernen Waschmittelwerbungen, die ich früher gesehen hatte – scheint  ganz schön lange her zu sein – aber dies hier ist nicht albern. Eher beklemmend. Das Weiß ist wirklich weiß, geradezu strahlend.

Genau – das ist es! Das Wort, das diesen Menschen hier neben mir beschreibt ist „Ausstrahlung“. Er hat Ausstrahlung. Jeder Schritt, sein Gang, seine ganze Körperhaltung. Ein Mensch mit Ausstrahlung. Früher hätte ich vielleicht das Wort „Aura“ gebraucht, aber das passt irgendwie hier nicht.

Seltsam, was treibt mich eigentlich dazu, mitzugehen, wo ich mich, wenn ich ehrlich bin, doch ausgesprochen unwohl neben ihm fühle.

Hmm - fühle ich mich eigentlich wirklich unwohl? Ehrlich gesagt zieht mich seine Andersartigkeit und Attraktivität auch an. Sehr sogar. So hatte ich eigentlich immer sein wollen. Schon als Kind. Als pickeliger und zu dicker Junge, der voller Selbstzweifel und mit einem Gemisch aus Bewunderung, Neid und Verachtung auf die Schönlinge, die auf dem 5-Meter-Brett ihre Muskeln spielen ließen, schaute. Auf die Sport-Asse und die, die sich trauten, coole Sprüche zu klopfen, sich auf die Bühne zu stellen, Reden zu halten. Die Bewunderten eben. Ich bewunderte sie auch – wie alle. Und ich wusste, dass ich nie so werden würde wie sie. Ich wollte es auch gar nicht. Und irgendwie wollte ich es doch.
Und jetzt gehe ich neben genau solch einem her. Jeder Fernsehsender hätte ihn engagiert.

Wenigstens hat er mir gesagt, wohin wir gehen werden. Zum Wartesaal. Klingt eigentlich nicht sehr verheißungsvoll. Eigentümlich, als er das gesagt hatte, hatte mein Herz einen Sprung gemacht und zu galoppieren angefangen. Irgendwie war da plötzlich ein Gefühl von Freude gewesen.

Wartesaal! Dämliches Wort. Erinnert an muffige, eingestaubte Bahnhofshallen mit diesem ganz eigenartigen, abgestandenen Geruch. Aber so ein Wartesaal wird’s ja wohl kaum sein. Oder doch? Mir wird ganz mulmig und in der Magengegend macht sich wieder einmal dieses wohlbekannte und wohlgehaßte beklemmende Gefühl breit. Ekelhaft. Ich verabscheue es und kenne es doch zu gut. Ist  das Alpdruck? Keine Ahnung – aber der Begriff könnte gut passen. Widerlich. Mir ist plötzlich ganz elend, vermutlich sehe ich noch käsiger aus als sonst.  

Und alles nur, weil ich neben diesem Typen daher eierte. Bin ich eigentlich vollkommen verblödet? Was um alles in der Welt hat mich dazu getrieben mit diesem abstrusen Strahlemax mitzugehen? Warum bin ich nicht zuhause geblieben? ... Ach so, stimmt ja, da ist ja nichts mehr. Nur ein Haufen Scherben. Zank, Schmerz, Vorwürfe. Und vor allem Selbstvorwürfe. Ich bin auch zu blöde gewesen, habe mich völlig danebenbenommen, gehen lassen. Ich habe das ja auch eigentlich alles gar nicht gewollt …

Und jetzt renne ich wie ein Kind diesem geradezu unecht attraktiven Menschen hier hinterher. Da kann man doch an seinem Verstand zweifeln. Was mache ich eigentlich?

Oohh – er schaut mich an. Voll ins Gesicht, direkt in die Augen. Er lächelt. Huch! Ich fühle mich bei meinen Gedanken ertappt. Aber in seinem Lächeln ist keine Ablehnung, keine Kritik. Eigenwilliges Lächeln. Was ist da zu sehen? Eigentlich nur Wohlwollen. Anders kann ich es nicht beschreiben. Wohlwollen – ja. Ehrlich gesagt, niemand hat mich je so angeschaut. Wahrscheinlich bin ich deshalb hinter ihm hergelaufen. Wie lange laufe ich eigentlich schon neben ihm? Ich kann mich gar nicht erinnern. Nur irgendwie diffus, unklar. Es ist fast, als ob ich schon immer neben ihm hergegangen wäre. Aber das ist ja Quatsch, ich habe doch erst gestern … oder war es vorgestern? Oder … ich weiß nicht. Ist auch eigentlich unwichtig.

„Wir werden bald da sein! Das größte Stück Weg haben wir schon hinter uns, dann kannst du dich ausruhen!“

Ich bin mir sicher, dass er meine Gedankengänge erkannt hat. Was weiß er über mich? Alles? Wieder durchströmt dieses quälende Gefühl meine Magengegend. Aber was immer er auch weiß, er lässt sich nichts anmerken. In seiner Stimme klingt eine Wärme, ein Verständnis, eine Akzeptanz durch, die geradezu kindlich plump wirkt. Geradezu einfältig. Ja genau – eine gewisse Naivität geht von ihm aus. Wie bei Kindern eben. Eine Unbekümmertheit. Reinheit könnte man es vielleicht nennen. Ja, so jemand würde man keine Unanständigkeiten und Zweideutigkeiten erzählen, die man als Witz tituliert. Oder Gemeinheiten, die Satire heißen. Ich zumindest würde es nicht. Ich würde es nicht wagen – wenn ich ehrlich bin.

„Es kommen sehr viele Geladene!“, reißt er mich aus meinen Gedanken. Stimmt ja - in dem Wartesaal sollen etliche Gäste zusammenkommen, hatte er gesagt und ich sei auch darunter. Komisch. Wieso hat man mich eigentlich eingeladen? Und dann noch einen solch offensichtlich überqualifizierten Boten geschickt. Um was für eine Feier geht es denn überhaupt ... ach ja, doch ja, eine Hochzeit, hatte er gesagt. Hochzeit, hmm - lange her. Sehr lang.
Von meinen Verwandten und den paar Leuten, die mir sonst noch geblieben sind, kann es wahrhaftig niemand sein. Und sonst, wer kennt mich überhaupt? Und von denen, die mich kennen, wer würde mich schon einladen? Wer will mich schon?

„Weißt du, dass es ein großes Vorrecht ist, eingeladen zu sein?“, treibt mein Nebenmann wieder meine Gedanken auseinander. „Deshalb wird auch jeder Geladene persönlich abgeholt und begleitet!“ Ich schaue ihn an und muss offensichtlich verdutzt bis dümmlich aussehen, denn mit einer ausladenden Bewegung seines Armes sagt er: „Schau dich um, die Geladenen kommen von überall her!“.

Ich hebe meinen Blick und merkte erst jetzt, dass ich wohl während des ganzen Weges gedankenversunken den steinigen, staubigen uralten Weg angestiert hatte. Tatsächlich. Wir sind auf einer sehr großen, weitgestreckten und fast baumlosen Anhöhe angekommen von der aus man einen überraschend weiten Blick in das ganze Umland hat. Ich kann mich nicht erinnern, jemals hier gewesen zu sein, obwohl der Weg wirklich nicht so weit von zuhause entfernt zu sein scheint, oder besser: dem Ort, wo ich früher einmal ein Zuhause hatte. Ganz früher.

„So weit das Auge reicht“, ist das einzige, was mir hier oben einfällt. Es ist völlig klar und man kann faszinierend weit schauen. Dann sehe ich, dass von überall Menschen kommen. Meist zu zweit, aber auch einige zu dritt. Allein sehe ich niemand. Und auch größere Gruppen sehe ich nicht. Soweit ich in der gleißend hellen Sonne erkennen kann – es muss jetzt kurz vor Mittag sein und die Sonne prickelt mir auf der Haut, wie ich erst jetzt bemerke – halten sie alle auf die Kuppe der Anhöhe zu, die auch wir bald erreichen werden. Die meisten gehen auf den sich durch das Gras schlängelnden Wegen, aber manche auch direkt durch die Wiese. Ich schaue mich um. Das sind ja Hunderte. Oder besser: Tau-sende. Und dort oben auf der Höhe sind ja auch schon etliche Menschen, wie ich jetzt erst bemerke. Und dabei können wir die andere Seite des Hügels noch gar nicht überblicken.

Ein leiser Wind streicht zart durch das hohe Gras. Irgendwo singen Lerchen. Ein paar Bienen summen um uns herum. Wie ein Sonntagnachmittagspaziergang, geht es mir durch den Kopf. Völlig friedlich und ohne Hektik und Krampf. Ganz ruhig. Und der Himmel ist tatsächlich wolkenlos.

Wir gehen langsam weiter und der Weg ist doch länger, als ich angenommen habe. Scheinbar ist die Anhöhe noch weiter gestreckt als ich ursprünglich dachte. Was ist das? Irgendetwas taucht langsam über der in der Sonnenhitze etwas flirrenden Linie, die den Horizont bildet, auf. Es sind keine Bäume, nein, das ist irgendetwas Gebautes, ein Gebäudekomplex. Aber kein Haus … Auf jeden Fall ist es hell und weiß und ziemlich filigran. Jedenfalls nicht sehr massiv. Oh, es ist ein Säulengang. Zumindest ist das der einzige Begriff, mit dem ich dieses Bauwerk hier vor uns beschreiben kann. Es sind hohe Säulen aus einem hellen, rauen Stein - vielleicht in der Höhe von 10 ausgewachsenen Männern – und sie sind uralt. Vier Säulen tragen jeweils oben ein Kreuzgewölbe, das offensichtlich auch aus dem hellen Stein gearbeitet worden ist. Irgendwie kommt mir dieser Ort bekannt vor. Aber ich war noch nie hier. Wieder beschleicht mich ein sonderbares Gefühl, aber es ist anders. Nicht unangenehm, sondern eher wie ganz leichtes Lampenfieber, wie das Gefühl vor einer Überraschung. Der Boden, über den wir inzwischen laufen, ist mit Mosaiken belegt, mit großen Steinen in Naturfarben. Die Mosaike stellen offensichtlich etwas dar, aber ich kann die meisten dieser Abbildungen nicht erkennen die sich langsam wie ein uraltes, steinernes Bilderbuch unter mir wegbewegen. Da ist eine Wasserdarstellung mit Wellen und irgendwie hineingewobenen Lichtstrahlen. Das Wasser scheint sich fast zu bewegen, das Licht zu flirren. Das scheint ein Tier zu sein – ja, ein Löwe mit mächtiger Mähne. Huch, mein Schritt stockt etwas - er scheint sich zu bewegen … Nein, das helle Licht reflektiert sich wohl nur auf den unebenen Steinen. Hier scheinen sich zwei altertümliche Krieger zu bekämpfen und unwillkürlich schaue ich meinen Begleiter an: hatten unsere Schritte nicht eben wie das Klirren von aufeinandertreffenden Schwertern geklungen? Ich lausche. Nein – normale Schritte. Dies hier scheint eine Feier zu sein, eine Festgesellschaft. Sonderbar, mir ist, als ob aus der Ferne ein leiser Klang von Musik und Lachen zu uns herüberweht. Ich lausche wieder, aber da ist schon nichts mehr. Wo bin ich hier? Was ist das für ein faszinierender aber doch so fremder, unbekannter Ort? Unbekannt? Nein, mir ist, als ob ich all das irgendwie kennen würde. Irgendwie …

Der Säulengang verläuft, soweit mein Blick reicht, geradeaus weiter. In größerem Abstand vor und hinter uns sehe ich andere Menschen laufen, in kleinen Gruppen. Aber wir sind noch niemandem direkt begegnet.

Der Wandelgang wird inzwischen durch Bäume eingerahmt, Wacholder, Zypressen, Kiefern. Das ganze Bild hat eine südländische, parkartige Atmosphäre. Sehr friedlich, sehr still und – ja, irgendwie sehr fern.
Da sind Wasserbassins neben dem Weg angelegt, eingerahmt in hellen Stein. Einige Libellen schwirren umher und Wasserrosen decken manche der Becken fast vollständig zu. Tief im Wasser sind ein paar Fische. Mir fällt auf, dass schon seit geraumer Zeit das Zirpen von Grillen unseren Gang begleitet hat.

Habe ich nicht vorhin noch gegrübelt, warum ich mit diesem eigenartigen Einladeboten mitgegangen bin? Hier in dieser friedlichen Stimmung sind alle Bedenken wie weggeflogen und eine unbestimmte, nicht so recht definierbare Vorfreude erfüllt mich. Wieso eigentlich? Auch diese mulmigen Gefühle im Bauch sind schon lange nicht mehr da. Ich habe gar nicht gemerkt, wie sie verschwunden sind. Ich fühle mich irgendwie wie in etwas eingehüllt, das ich nicht richtig beschreiben kann. Es ist, als ob etwas Warmes und Weiches um mich herum gelegt worden wäre. Frieden.

Frieden? Ja, das ist wirklich das richtige Wort, so muss Frieden bestimmt sein. Frieden – sonderbar. So habe ich mich schon lange nicht mehr gefühlt. Ich bin richtig ruhig. Ganz unbeschwert. Ja, ich könnte noch stundenlang neben diesem eigenwilligen Typen her gehen. Tagelang. Ich bin geradezu fröhlich, heiter, ganz unbelastet. Ja genau - alles Schwere auf mir ist verschwunden, ist wie weggenommen. Es ist, als ob man mir Lasten von den Schultern genommen hätte, zentnerschwere Lasten. Das Drücken ist fort, die Bedrückung.
Schönes Gefühl. Wirklich. Ich fühle mich richtig gut. Ganz leicht. Fast könnte man die Arme ausbreiten und einfach losfliegen. Genial. Herrlich. Ich fühle mich wie ein kleines Kind, ganz geborgen, ganz beschützt, ganz eingebettet in … ja, in was?

Nein, das kann nicht Liebe sein. Liebe? Ich habe nie gewusst was das ist – irgendwie. Liebe schien immer so abgeschmackt, so unecht – früher … so künstlich … damals … ich kann mich gar nicht mehr erinnern. Komisch. Aber ist ja auch egal.

Ich schließe die Augen und atme tief ein. Das hier ist wie Eintauchen in eine Atmosphäre von Licht, von Leben und ja tatsächlich – von Liebe. „Es ist, wie wenn du das erste Mal lebst!“ schießt es mir durch den Kopf. Ja wirklich. Liebe! So was ...

Ich bemerke, dass die Luft von einem unbeschreiblichen, zarten Duft erfüllt ist. Ganz leicht. Wenn ich mich auf ihn konzentriere kann ich ihn fast nicht wahrnehmen, eigentümlich. Und doch ist die Luft davon erfüllt. Und da – wieder diese fast unhörbare Musik, ganz leicht, ganz sanft - wunderschön.

Wo bin ich hier? Wie bin ich hierher gekommen? Ich bin … glücklich. Ja, glücklich. Richtig glücklich. Noch nie zuvor habe ich so empfunden, mich so gefühlt. Ich könnte ewig so weitergehen. Und meinen Begleiter? Ich könnte ihn umarmen, dass er mich hierher gebracht hat. Meine Beklemmung ihm gegenüber ist gewichen. Da schaut er mich wieder an – direkt in die Augen. Und er lächelt, ja strahlt geradezu. Ich weiche dem Blick nicht aus – und zu meiner eigenen Überraschung lächle ich zurück. Ich kann nicht anders als zu lächeln … ich bin glücklich.

Ganz unerwartet stehen wir vor einem Tor. Plötzlich ist es da, direkt vor uns. Sonderbar, ich hatte es gar nicht bemerkt, gar nicht gesehen. War das wirklich schon vorher da gewesen? Ich weiß nicht. Ein mächtiger Torbogen, aus dem hellen Stein gearbeitet. Unwillkürlich berühre ich die Einfassung, der Stein ist ganz warm von der Sonne. Dieses Tor muss Jahrhunderte alt sein - viele Jahrhunderte.

„Wir sind da!“ ertönt die Stimme meines Begleiters und er will wohl ohne Zögern durch das Tor hindurch schreiten. „Du meinst, wir sind bei diesem Wartesaal angekommen?“ „Nun ja“, strahlt er mich an, „der Begriff Wartesaal ist eigentlich nicht ganz treffend, aber komm und schau selbst!“

Der leise Klang von Musik ist nun viel intensiver, irgendwie dichter, obwohl immer noch fast unhörbar. Es ist hell, schießt es mir durch den Kopf, extrem hell. Ganz unnatürlich hell. Auf was für einem eigentümlichen Boden laufe ich da? Was ist das für ein Material, schimmernd und hell und glänzend? Ich sehe ja fast nichts vor lauter Helligkeit und Licht, kann kaum etwas erkennen. Irgendwie scheint das hier ein unvorstellbar großer, lichtdurchfluteter Raum zu sein. Größer als jedes irdische Gebäude. Schemenhaft erkenne ich Menschen vor mir, viele Menschen - im Licht. Sie schauen in die Richtung des Lichtes ... wie ich auch.

Was ist das hier? Es ist unvorstellbar. Es ist … ich kann es gar nicht ausdrücken … es ist – herrlich.

„Wo bin ich, warum bin ich hier, was ist das alles?“ wende ich mich an meinen Begleiter. „Warte hier“, sagt er. „Warte bis das Tor zum Festsaal geöffnet werden wird, bis man dich hereinrufen wird, zum Fest aller Feste. Warte – es wird dir nicht lange vorkommen. Warte … und freue dich!“

„Warum bin ich … bin ich hier?“ frage ich noch einmal, denn … gehöre ich wirklich hierher? Wirklich? Ich bin irritiert. Es ist wunderschön hier.

„Du gehörst zu den Geladenen, weißt du das nicht mehr? Denn du warst bereit, damals dem Ruf zu folgen, warst bereit „Ja“ zu sagen, warst bereit zu glauben, warst bereit, die Liebe und Gnade und Freundlichkeit dessen anzunehmen, der dich bereits voller Sehnsucht und Freude erwartet. …
Er wartet wirklich auf dich!“

 


Die Veröffentlichung der Texte ist unter folgender Quellenangabe gestattet:
© Sigrid und Martin Baron: "www.gottes-haus.de"

 

Zur Beurteilung siehe bitte:
1.Korinther 14,1-4+39
1.Thessalonicher 5, 20-21
Amos 3,7-8