Gebirgsbach

Ein prophetisches Bild
Vor mir sehe ich einen kleinen, klaren und kalten Gebirgsbach zu Tal fließen.
Er fließt über Steine und Felsen und schlängelt sich um Baumwurzeln herum gluckernd bergab. Überall herum leuchtet alles in sattem Waldesgrün. Manchmal ist der Bach von Farnen oder anderen Pflanzen geradezu überwuchert, er wirkt wie sprudelndes, ganz natürliches Leben. Die Atmosphäre ist sehr friedlich und rein.
Das Bild verfolgt den Lauf des Baches langsam auf seinem Weg bergab. Plötzlich kommt von seitlich ein Zufluss in den Bach hinein, ein anderer Bachlauf vereinigt sich mit dem Gebirgsbach. Aber dieses Wasser ist völlig verdreckt, eine schwarze Kloake die schon nach kurzer Zeit das klare Wasser völlig verschmutzt und verunreinigt hat.
Das Bild verfolgt zunächst diesen Zufluss ein kleines Stück bergauf. Nach kurzer Zeit sehe ich eine große, abstruse, schwarz-verdreckte Maschinerie im Wald stehen. Aus ihr fließt das Wasser aus. Überall sind – teilweise sehr große – Zahnräder zu sehen, Kessel, Dampf und Dreck. Alles macht Krach. Die sich schwerfällig bewegenden Räder, Achsen, Kolben usw. wirken altertümlich und gespenstisch. Alles ist rostig und schmierig. Plötzlich bemerke ich, dass auf den verschiedenen Teilen der Maschinerie Bezeichnungen stehen. Zuerst sehe ich auf einem riesigen, etwa Wasserrad-großen, eisernen Zahnrad den Schriftzug: „Programm“. Auf anderen Teilen stehen Begriffe wie „Stolz“, „Unser Werk“, „Unser Dienst“, „Größe“, „Eigene Arbeit“ usw.

Dann wird das Bild etwas größer und ich sehe die ganze Anlage vor mir. Die ganze befremdliche Konstruktion überragend, sehe ich ein Eisenschild. Es sieht so ähnlich aus wie die Metallschilder über den Toren von Konzentrationslagern („Arbeit macht frei“ o.ä.). Auf diesem Schild steht in Metallbuchstaben: „Dinge, auf die wir stolz sein können“.
Dann sehe ich wieder das verdreckte, schwarze Wasser vor mir und ich verfolge, wie es weiter nach unten fließt. Die Vegetation wird immer kümmerlicher, kränklicher und erstirbt dann ganz. Der Wasser wird immer dickflüssiger, schlammiger, ekelerregender und endet in einem schwarzen Morast, offensichtlich ohne Ausfluss.
Trotzdem nehme ich wahr, dass viele Menschen herankommen, die hier etwas von dem verseuchten Wasser zu trinken oder in ein Gefäß zu schöpfen versuchen. Einige Menschen klettern auch weiter an dem Bachlauf empor. Die meisten allerdings sind mit dem Dreckwasser zufrieden. Offensichtlich reicht ihnen das bereits aus, um ihren schlimmsten Durst zu stillen.
Dann sehe ich weiter oben eine ganze Anzahl Menschen konzentriert und angestrengt arbeiten und graben. Sie versuchen einen Kanal zu bauen um das saubere Wasser noch oberhalb des üblen Zuflusses umzuleiten. Ich weiß, dass ihre Intention gut ist, sie wollen versuchen, den Menschen weiter unten sauberes und unverseuchtes Wasser zukommen zu lassen. Vor mir sehe ich ein linealgerades Stück des Kanals, scheinbar ist das Bett aus Beton gearbeitet.
Die Bauarbeiten sind noch nicht soweit fortgeschritten, dass der eigentliche Gebirgsbach mit dem Kanal verbunden ist. Aber ich weiß, dass auch dieser Kanal ein typisches Menschenwerk ist. Ich weiß, dass diese Arbeit nicht fruchtbringend sein wird. Diese ganze Anstrengung wird umsonst sein. Ein Ausdruck kommt mir dazu in den Sinn: „Vergebene Liebesmüh“.
Dann weitet sich der gesamte Blick plötzlich ganz erheblich und ich übersehe das ganze Tal, das tief eingeschnitten zwischen zwei dicht bewaldeten, steilen Gebirgshängen liegt. Verblüfft sehe ich, dass sich zwischen diesen Hängen eine gigantische Staumauer befindet. Sie scheint viele hundert Meter hoch zu sein und ragt steil empor. Der Gebirgsbach ist nur der untere, kleine Ausfluss aus dieser Staumauer, hinter der sich gewaltige Wassermassen befinden müssen. An mehreren Stellen der Mauer sehe ich große Flutklappen aus Metall.
Dann höre ich eine Stimme:
„Der Himmel ist bereit, die Schleusen des heiligen Geistes zu öffnen!“
© Sigrid und Martin Baron
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Foto unten: stock.xchng (www.sxc.hu)
Zur Beurteilung siehe bitte:
1.Korinther 14,1-4+39
1.Thessalonicher 5, 20-21
Amos 3,7-8