Der Fähnrich

Wir haben uns aufgemacht und sind in den Kampf gezogen – vor langem schon.
Entschlossen, kühn, alles hinter uns lassend.
Denn es war zu klein für unser Hoffen,
zu beschränkt für unsere Erwartung,
zu irdisch für unsere Verheißung.

Den versprochenen Sieg, wir wollten ihn erleben,
wollten mitstehen in den Reihen der Herausgerufenen,
mitkämpfen, mitringen, in der Sache des Herrn,
wollten den Sieg mitschmecken und Freiheit für Viele erringen.

Um nichts Kleines tobte schon lange der Kampf.
Eine wogende Schlacht, dem menschlichen Auge verborgen.
Eine harte Fehde, erbittert und entschlossen gekämpft,
zwischen dem Reich unseres Gottes und der Finsternis dieser Welt.

Die Herrlichkeit des Herrn wollten wir sehen.
Heilung der Kranken, Befreiung der Gebundenen,
Errettung, Erlösung, Segen, Wiederherstellung, Gerechtigkeit,
Gnade, Freude, Friede, Kraft, Licht, Heil.

Wir wollten sehen, wie die Herrlichkeit Gottes über dem Lande erstrahlt,
Menschen verändert werden, das Reich Gottes wächst, die Finsternis weicht.
Wir zogen in den Kampf und Erweckung war unser Kampfruf.
… und die Schlacht währt seither schon lang.

Dumpf dröhnen die Trommeln des feindlichen Heeres,
Welle auf Welle strömen sie gegen uns an.
Immer neu schließen sich die Reihen der Gegner,
schier endlos scheint ihre Heermacht zu sein.

Der Feind ist stark, er ist hinterhältig, er ist voller Verrat.
Er kämpft an allen Fronten, versucht uns zu umzingeln, greift die Schwächsten an.
Er attackiert und verletzt, bedrückt und verflucht,
verführt und belügt und versucht uns mit Gedanken der Niederlage zu lähmen.

Überall sein Gift, seine Pfeile, sein Feuer.
Übermächtig scheint er, stark, unbarmherzig und gnadenlos.
Wie lange wird sie währen, die Schlacht?
Wird er uns schlagen? Werden wir fallen?

Doch hell ertönen Fanfaren und die Reihen der Feinde erschaudern.
Da! Schau auf! Erhebe den Blick!
Der Fähnrich steht kühn und fest auf der Höhe.
Der Wind weht und das strahlende Banner bäumt sich im Sonnenschein auf über ihm.

Es leuchtet hell auf, in Rot und Gold und Weiß.
Kein Feind vermochte es je einzunehmen, seine Hand daran zu legen.
Kein Brandpfeil hat es je getroffen, keine Klinge durfte sich ihm nahen.
Das Banner des Löwen, die strahlende Fahne der Herrlichkeit.

Wir erheben den Blick, schauen auf ihn – und voll Zuversicht und Mut
ergreift unsere Hand wieder fest den Griff des Schwertes.
Wir wenden uns dem Kampf wieder zu, in dem wir stehen,
dem Kampf, den wir zu kämpfen haben,
dem Kampf, der uns verordnet ist.

Gestärkt und ermutigt, mit dem Klang der Fanfare im Herzen –
der wahrlich kein Klang dieser Welt ist –
blicken wir auf das Wüten des Feindes
und erkennen, wie sinnlos und nichtig all sein Toben doch ist.
Denn eines ist gewiss und fester als jeder Fels es je sein kann:
Dieses Banner wird niemals fallen! 

Und der Fähnrich in hellem Gewand und edler Gestalt lächelt.
Mit Wohlwollen blickt er über das Kampffeld
und freut sich am Kampfeseifer seiner Truppen.
An Mut, an Entschlossenheit, Hingabe, Treue.
An Kühnheit und Tapferkeit in der tobenden Schlacht.
An den Kämpfern mit klaren Augen und festem Schritt.

Er freut sich, denn er weiß:
Der Sieg dieser Schlacht wurde schon vor langem errungen.
Der Sieg, der nicht mehr geraubt werden kann,
der Bestand hat für immer.

Er lächelt.
Denn das Banner der Herrlichkeit wird nie untergehen.
Niemals.
In aller Ewigkeit.

 

© Sigrid und Martin Baron
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