Zeit

Vorbereitung im Verborgenen

Sigrid Baron

Zeit ist etwas, das wir bekommen, ohne je dafür gearbeitet zu haben.“  Dieser Satz hat schon seine tiefe Wahrheit. Aber nehmen wir das eigentlich in der Geschäftigkeit unseres gestressten Alltags wahr?"

Ich möchte über einen ganz besonderen Aspekt des Themas Zeit schreiben: über das Warten. Über Zeitpunkte, die von uns erwartet werden. Während Kinder heiß und sehnlich den Tag bestimmter Jahresfeste, wie ihren Geburtstag oder gar Weihnachten herbeisehnen und kaum das lange Warten aushalten können, stehen Erwachsene diesen Dingen doch etwas distanzierter gegenüber. Wir warten zum Beispiel auf die Geburt eines Kindes (und sehnen gleichzeitig schon das Ende der Wehen herbei).

Oder wir warten in den alltäglichen Kleinigkeiten: an der Bushaltestelle, am Bahnhof, auf das Klingeln, das das Ende einer Unterrichtsstunde begrenzt, auf die Ankunft von Gästen, auf das Ende einer für uns nicht so „prickelnd“ verlaufenden Unterhaltung, auf das Ergebnis einer Untersuchung, auf das Ende einer Krankheitszeit. Wir warten darauf, dass wir endlich einmal „an der Reihe“, endlich einmal „dran“ sind. Wir warten auf den Anpfiff des Spieles, – unseres Spieles - wo alles offen ist, wo die Halbzeit noch alle Möglichkeiten bietet und erst der Schlusspfiff entscheidet. Wir warten an der Kasse im Supermarkt, auf den endlich verdienten Urlaub und die dringend benötigte Erholung. Und viele von uns warten, dass der Herr endlich bestimmte Türen öffnet oder wir eine bestimmte Gebetserhörung erleben.

Sicherlich fallen auch dir eine Fülle von Dingen ein, in denen du gerade stehst und wartest (er-wartest), dass sich endlich etwas tut.

Als Menschen dieser Welt sind wir eingebettet in Zeit. Zeit ist eine Erfindung Gottes, er hat sie geschaffen. Die allererste Einteilung der Zeit geschah von Gott selbst und trug das Gütezeichen: „Besonders wertvoll, sehr gut gemacht“. Er hat sechs Tage zum Arbeiten und einen Tag zur Ruhe gesetzt. Jeder Schöpfungstag war eine Zeitperiode, begrenzt durch Anfang und Ende und den Lichtern des Himmels, die Tag und Nacht voneinander schieden (1.Mose 1,4-7). Menschen haben schon immer viel Energie, Mühe und Einfallsreichtum darin investiert, das Leben in Abschnitte, in Zeiten, in Perioden oder einen „Turnus“ einzuteilen.

Und ist es nicht interessant: je schnelllebiger unser Leben gestaltet ist, umso weniger Zeit meinen wir zu haben. Ständig werden Dinge erfunden, die uns als „Zeitschenker“ oder „Zeitsparer“ verkauft werden und doch stellen wir fest, dass sie fast genau das Gegenteil bewirken. Wir bringen viel Zeit damit zu, unser Leben „richtig“ zu planen in der Meinung, dass es dadurch für uns intensiver, reicher, echter, genüsslicher, gesünder wäre. Ich spreche hier nicht von einem guten Gebrauch an Zeiteinteilung, die wir sicherlich alle brauchen können, sondern von der überzogenen Jagd nach mehr Zeit, die uns nicht zur Ruhe kommen lässt und hinter der oft eine tiefe Angst verborgen ist.

Wir gehen durch verschiedene Lebenszeiten mit ganz unterschiedlichen Erfahrungen, Erlebnissen und Empfindungen. Vielleicht bist du gerade dabei, mit neuem, „frühlingshaften“ Schwung die Dinge deines Lebens nach der Winterpause in Angriff zu nehmen. Oder gehst du gerade durch eine Krise mit dem Gefühl einer nicht enden wollenden Wüstenwanderung unter glühender Sonne und eiskalten Nächten?

Vielleicht gehörst du zu denen, die den Eindruck haben, so richtig von heftigen Herbststürmen durchgeschüttelt zu werden und die den Wunsch haben, ihren Mantel noch fester zuzuknöpfen, um dem heftigen Gegenwind standhalten zu können. Oder gehörst du zu den Menschen, die sich innerlich fast erfroren vorkommen? Nichts bewegt sich, keine Sonne, keine Wärme scheint bis ins Innerste vorzudringen. Es ist kalt, du hast dich zurückgezogen ohne Kraft und Mut. Wozu auch? Ist es Winterzeit in dir?

Falls du dich in einer dieser Personen wieder finden solltest, habe ich gute Nachricht vom Herrn für dich:

Und beständig wird der Herr dich leiten, und er wird deine Seele sättigen an Orten der Dürre und deine Gebeine stärken. Dann wirst du sein wie ein bewässerter Garten und wie ein Wasserquell, dessen Wasser nicht versiegen.
Jesaja 58,11

Gott aber kann machen, dass alle Gnade unter uns reichlich sei, damit wir in allen Dingen allezeit volles Genüge haben und noch reich sind zu jedem guten Werk.
2.Korinther 9,8

Seine Verheißung gilt: es wird nicht dunkel bleiben über denen, die in Angst sind! Der Herr legt verschiedene Zeiten in unser Leben, um bestimmte Dinge hervorzubringen, uns wachsen zu lassen, zu verändern, uns seinem Bild ähnlicher werden zu lassen.

Wir empfinden mitunter diese Abschnitte als sehr mühsam, nicht zuletzt deshalb, weil das Wachstum zumeist im Verborgenen, für uns nicht sichtbar, geschieht.

Als unser Sohn Johannes noch klein war, hatte er bereits eine Vorliebe für alles, was in der Natur wächst und gedeiht. Um dieses Interessengebiet zu erweitern, legten wir ein kleines Gärtchen, direkt neben dem großen Sandkasten, an. Wir bereiteten den Boden und säten Blumensamen ein. Eines Tages kam der Opa zu Besuch und brachte ganz wundersame Kartoffeln mit kleinen weißen „Wurzeln“ mit. Enkel und Opa machten sich im Gärtchen ans Werk. Löcher wurden geschaufelt und die Kartoffeln behutsam hineingelegt, denn, so hatte der Opa dem Enkel erklärt, aus jeder einzelnen Kartoffel würden ganz viele neue Kartoffeln wachsen.

Am nächsten Tag kommt unser Sohn und zeigt dem Opa die von ihm wieder ausgebuddelte Kartoffel und meint mit traurigem Gesicht, dass das nun leider nicht geklappt hätte, denn es wären ja gar keine Kartoffeln gewachsen. Oh nein! Wieder wird die Kartoffel eingebettet: „Du musst warten!“, heißt es. Aber dem kleinen Kerl will es immer noch nicht in den Kopf. Er wartet nun schon den ganzen Tag und eine lange Nacht dazu. So geht er in den Garten, holt wieder die Kartoffel heraus um sie erneut enttäuscht zu präsentieren: Das stimmt gar nicht, sie sind immer noch nicht gewachsen! Wo bleiben denn die vielen versprochenen Kartoffeln, die er ernten würde?

Siehst du, es gibt Zeiten, in denen der Herr im Verborgenen das wachsen lässt, was er verheißen und versprochen hat. Sein Plan hat immer einen Anfang (das Pflanzen, das Ausstreuen des Samens), dann schenkt er Wachstum (die Zeit des Heranreifens im Verborgenen) um uns letztlich Frucht (eine Ernte) zu schenken.

Er mag uns etwas im Übernatürlichen zusagen (zum Beispiel eine Verheißung, eine Vision, eine Berufung, bestimmte Erkenntnis) und wir nehmen es dankbar an. Dann kommt die „Wachstum-Warte-Zeit“ und oft verlieren wir die Dinge aus dem Blick, weil wir sie im Natürlichen nicht in Existenz kommen sehen. Vielleicht beginnt sich Ungeduld – bei den anderen geht es viel schneller - oder Neid - bei den anderen wächst es viel besser - oder Hader auf Gott - wie kann er sich nur so viel Zeit lassen? -  zu regen.  Der Feind schläft nicht, nie! Sicherlich ist er an unseren Schwächen interessiert, doch am angriffswütigsten ist er immer an unserem stärksten Punkt, an unseren Stärken. Hier droht für ihn die größte Gefahr. Er will uns genau da stoppen, wo es um den Samen Gottes in unserem Leben geht, um die von Gott verheißene und vorbereitete Frucht („dreißig-, sechzig- oder hundertfältig“).

Meisten denken wir dann auch noch, wir müssten Gott etwas „auf die Sprünge helfen“. Wir wollen diesen schier nicht enden wollenden Warteprozess beschleunigen, den wir in der Bibel mit „ausharren“ - übrigens ein echt schönes deutsches Wort, das zu lebenslangem Studium einlädt! - bezeichnet finden. Und so graben wir immer wieder unsere „Glaubenskartoffeln“ aus.

Hast du die Geschichte von Abraham, Sarah, Hagar, Isaak und Ismael vor Augen? Folgendes kann man da sehr deutlich sehen: Abraham empfängt eine Verheißung von Gott, die er dankbar im Glauben annimmt. Sarah freut sich ebenfalls. Beide warten - warten - warten … es kommt ihnen endlos vor (nachzulesen ab 1.Mose 12).

Sarah nimmt die Dinge irgendwann selbst in die Hand, überzeugt Abraham von ihrer „guten Idee“ und Hagar wird unfreiwillig zur menschlichen „Problemlöserin“, die Ismael zur Welt bringt. Gott schreitet indes nicht mit einem donnernden „Halt!“ ein, sondern – und das ist wichtig zu verstehen - lässt sie gewähren. Trotz negativer Begleiterscheinungen.

Sein ewiger Plan kommt – und das ist noch wichtiger zu verstehen - dennoch zustande. Er macht sein Handeln, sein Zeugnis, noch wunderbarer dadurch, dass er die alte Dame Sarah dann doch noch zur Mutter macht:

Und der Herr suchte Sarah heim, wie er gesagt hatte, und der Herr tat an Sarah, wie er geredet hatte.
1.Mose 21,1

Gott führt immer seinen Plan in unserem Leben aus. Es ist gut, nahe bei ihm zu bleiben und zu warten, uns in Geduld zu üben, bis sich das Wort des Herrn erfüllt. Auch Gerichtsankündigungen, die von Gott kamen, hatten oft zum Inhalt, dass das Wort, das der Herr sagt, gewiss eintreffen wird (lies z.B. Hesekiel 12,25-28). Denn das Wort des Herrn ist wahrhaftig und was er zusagt, das hält er gewiss.

Was hilft uns, die Zeiten des verborgenen Wachsen und Reifens zu gestalten? Alles Gepflanzte braucht Wärme, Licht und Feuchtigkeit um wachsen zu können. Um bei unserer Kartoffelgeschichte zu bleiben: unser Sohn musste mit seiner kleinen Gießkanne so manchen Gang machen, um im trockenen Sommer das Gärtchen zu begießen. Und seine Fragen, wann denn nun endlich geerntet werden würde, nahmen kein Ende. Deshalb hier ein paar Tipps:

  • Übe dich im „Wassertragen“, damit deine geistlichen Muskeln nicht müde und schlapp sind, sondern fest und stark. Denn die Zeit der Ernte kommt bestimmt.
  • Bete mit Verheißungen aus der Bibel über deinem Leben. Sprich immer wieder das aus, was Gott über dich sagt, was er dir persönlich zugesagt und versprochen hat.
  • Bete in Zungen, das hilft, von uns selbst wegzuschauen, hin auf den Geber aller guten und vollkommenen Gaben.
  • Blicke nicht wie gebannt auf deine derzeitigen „Umstände“, sondern richte deinen Blick bewusst auf den Herrn. Er ist der Anfänger und Vollender deines Glaubens.
  • Schreibe dir Bibelstellen mit göttlichen Verheißungen auf und bringe sie dir an Stellen an, wo du sie immer wieder sehen kannst. Das hilft oft am Tag, wenn es mal heftiger wird.
  • Lerne Bibelverse auswendig. Das kann in Zeiten, wo du irgendwo unterwegs bist (z.B. im Wartezimmer eines Arztes) sehr hilfreich sein.
  • Stehe auf mit dem Wort Gottes gegen jede aufkommende Angst, gegen Depression, gegen schlimme Nachricht, gegen jedes feindliche Wirken an dir oder deiner Familie. Ich empfehle dazu z.B. Psalm 91.
  • Suche die Gemeinschaft in einer christlichen, gläubigen Gemeinde, mit Menschen, die dich weiterbringen, wo du gute Nahrung aus dem Wort Gottes bekommst. Vielleicht brauchst du auch Hilfe, indem du ein beratendes Gespräch mit einem seelsorgerlich ausgerüsteten Christen suchst, schiebe ihm aber bitte nicht die Lösung deiner Probleme zu. Werde reif und mündig im Herrn, denn gerade das ist es ja, um das es geht.
  • Übe dich im Lobpreis. Wenn du selber nicht singen magst, nutze all die netten „Soundanlagen“. Beginne den Herrn zu loben und dein Herz wird in Bewegung kommen, es wird hinterher laufen (auch wenn es vielleicht zunächst noch etwas träge schlurft, es wird schon auf Trab kommen).
  • Lies gute Bücher, die dir weiterhelfen. Vielleicht mal etwas anderes, als Krimis, Thriller und Romane.
  • Achte darauf, was du dir im Fernsehen anschaust, denn nicht alles ernährt deinen Geist wirklich gut. Manches ängstigt dich mehr, beeinflusst dich mehr, bedrückt dich mehr, als du im ersten Moment wahrnehmen kannst. Dies ist ein wichtiger Punkt. Vielleicht ist es an der Zeit, den „Hausaltar Fernseher“ mal in den Keller oder die Garage zu räumen, wo man zwar noch schauen kann, es aber nicht wohnzimmerlich bequem ist. Und stattdessen legst du auf deinen Wohnzimmertisch deine Bibel und liest abends im Wort Gottes. Du wirst sehen: schon nach wenigen Wochen wird sich dein Leben deutlich verändert haben.
  • Schaue darauf, wie du dich um deinen Körper kümmerst. Auch da hast du eine echte Verantwortung. Wir müssen weder übergewichtig noch magersüchtig sein, beides ist von Gott nicht so gedacht. Der Feind versucht uns hier in innerliche und äußerliche Bedrängnis hinein zu treiben. Auch hier kannst du lernen, gegen diese Attacken aufzustehen.
  • Lass es dir doch mal etwas an Zeit, Mühe und Hingabe kosten, deinen von Gott gepflanzten Samen zu bewässern. Vielleicht ist auch mal hacken und - besonders wichtig - Unkraut jäten angesagt.

Gott legt Zeiten fest und er ist immer dabei, sie mit und durch uns zur Erfüllung zu bringen. Seine Zusage ist seine ewige Liebe zu uns.  Er sagt: Ich habe dich je und je geliebt, darum habe ich dich auch zu mir gezogen aus lauter Gnade!

Ich möchte dich ermutigen: Gott ist ständig dabei, etwas für dich auf den Weg zu bringen, etwas für dich zu arrangieren. Er weiß, wie es um dein Wachstum bestellt ist. Er kennt die Zeitpunkte deines Lebens.

Sei dir gewiss: der Heilige Geist ist der „Planer der Wunder“ (Jesaja 9,5). Und das gilt auch für dein Leben!

Du wirst sehen: Gott bringt dein Leben zur Erfüllung!

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Ich möchte dir noch einige Verse aus Jesaja für die nächste Zeit mitgeben:

So spricht der HERR: Zur Zeit des Wohlgefallens habe ich dich erhört, und am Tag des Heils habe ich dir geholfen. Und ich werde dich behüten und dich zum Bund des Volkes machen, das Land aufzurichten, die verödeten Erbteile auszuteilen, den Gefangenen zu sagen: Geht hinaus! und zu denen, die in Finsternis sind: Kommt ans Licht! Sie werden an den Wegen weiden, und auf allen kahlen Höhen wird ihre Weide sein. Sie werden nicht hungern und nicht dürsten, und weder Wüstenglut noch Sonne wird sie treffen. Denn ihr Erbarmer wird sie leiten und wird sie zu Wasserquellen führen. Alle meine Berge will ich zum Weg machen, und meine Straßen werden hoch dahinführen.
Jesaja 49,8-11

 

© Sigrid und Martin Baron
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