Gottes job-description:

„Sei getrost und unverzagt!“
Martin Baron
Wenn wir die biblische Geschichte der Wüstenwanderung des Volkes Israel betrachten, dann stechen ganz offensichtlich zwei Männer hervor. Zwei echte Glaubenshelden! Josua und Kaleb. Beide waren einst in der Sklaverei geboren, doch nun waren sie auf dem Weg – und Umkehr oder Aufgeben war für sie schlichtweg keine Option. Zwei Männer, die am Glauben festhielten, die sich nicht von dem ablenken ließen, was vor Augen war, sondern die letztlich genau das erreichten, was Gott für sie vorgesehen hatte. Ja, das sind echte Vorbilder von Entschlossenheit und Glauben!
Und sehr schnell sind wir, als Menschen, die ja auch am Glauben festhalten wollen, die sich auch nicht entmutigen lassen wollen und die sich auch von den feindlichen Machenschaften nicht einlullen lassen wollen, dabei, uns ganz mit diesen beiden hehren Helden zu identifizieren. Die wollten nicht zurück, die gaben nicht auf, die bleiben dran. Das waren Jungs, die wussten: Niemals zurück! Toll! Das wollen wir genauso machen!
Doch lasst uns noch ein wenig Josua betrachten, den Mann, nach dem ein biblisches Buch benannt wurde, dem Mann, der das Volk Israel ins Land Kanaan führte, dem Nachfolger Moses.
Gott hatte ihm etwas sehr Ungewöhnliches gesagt. Etwas sehr Ermutigendes. Er hatte zu ihm gesagt: „Sei stark und mutig“, oder, wie es in der Lutherübersetzung heißt: „Sei getrost und unverzagt!“. Diese Anordnung – es handelte sich ja eigentlich geradezu um einen Befehl – hatte ursprünglich Mose dem ganzen Volk Israel erteilt und wiederholte sie dann ganz besonders noch einmal für Josua. Es war wie eine Dienstanweisung zur Einnahme des verheißenen Landes. Und damit Josua es auch wirklich verstehen konnte, wiederholte Mose es noch zwei weitere mal (5.Mose 31,7+8+23). Doch damit nicht genug, sogar Gott selbst erteilte Josua noch einmal genau die gleiche, präzise Anordnung, ebenfalls dreimal:
Sei stark und mutig!…
Josua 1,6
Nur sei recht stark und mutig…
Josua 1,7
Habe ich dir nicht geboten (!): Sei stark und mutig? Erschrick nicht und fürchte dich nicht! Denn mit dir ist der HERR, dein Gott, wo immer du gehst.
Josua 1,9
Und dann forderte zu guter Letzt auch das ganze Volk der Israeliten Josua noch einmal mit den gleichen Worten auf (Josua 1,18).
Josua hatte diese Anordnung, diese Aufforderung, diese Dienstanweisung, somit eigentlich oft genug gehört. Einmal für das Volk, siebenmal für ihn. Denn nach der Zeit in der Wüste mit ihren spezifischen Schwierigkeiten galt es nun die nächste Herausforderung zu meistern: die Einnahme des verheißenen Landes. Und dazu war es offensichtlich notwendig, dass Josua stark und mutig, getrost und unverzagt sein sollte. Voller Kühnheit, Furchtlosigkeit und Entschlossenheit sollte er vorwärts gehen. Genau das gleiche gilt auch für uns heute. Es ist Gottes Befehl, sein Auftrag, seine Anordnung an uns: „Sei stark und mutig!“. Niemals zurück! Mutig vorwärts. Das Land gehört euch, nehmt es ein, ich werde mit euch sein und kein Feind wird euch widerstehen können.
Jeden Ort, auf den eure Fußsohle treten wird - euch habe ich ihn gegeben…
Josua 1,3

So weit, so gut. Der Jordan wurde überschritten, Jericho wurde eingenommen mit einem gigantischen übernatürlichen Sieg nach genauen und präzisen (wenn auch kriegstechnisch nicht unbedingt nachvollziehbaren) Anordnungen des Herrn. Alles prima. Alles ganz gemäß der Verheißung. Alles so wie erwartet. Super. Doch dann kam es recht bald zu der Begebenheit mit der Stadt Ai. Der Ort schien eine eher kleinere Herausforderung zu sein und nach dem Motto „Wir wissen ja jetzt, wie es geht, wir machen das schon!“, versucht man die Stadt platt zu machen. Und interessanterweise glaubte Josua ausgerechnet dem Bericht der Botschafter, die er nach Ai gesandt hatte um die Stadt auszukundschaften, anstatt Gott zu fragen, was denn bitte zu tun sei (Josua 7,2-3). Und so ging die Mission „Macht Ai zu Brei“ leider schief. Die ausgesandten Krieger wurden zurückgeschlagen, es kam zu unerwarteten Verlusten. Aua! Allgemeiner Schock, damit hatte keiner gerechnet: „Wie jetzt? Wir dachten, Gott ist mit uns…“. Im Buch Josua heißt es, dass das Herz des Volkes „zu Wasser“ wurde.
Ein herber Verlust, vor allem für die Moral der Truppe.
Und was machte nun unser Glaubensheld? Unser mächtiger Mann Gottes? Der Mann, der sich knapp 40 Jahre zuvor gegen die lebensbedrohliche Übermacht des ganzen Volkes auf die Seite der göttlichen Verheißungen gestellt und den Gott persönlich vor der Steinigung gerettet hatte? Der Mann, den nichts erschüttern konnte?
Er machte genau das gleiche, das dem Volk einst zum Verhängnis geworden war.
Er haderte mit Gott:
Und Josua zerriss seine Kleider und fiel auf sein Angesicht zur Erde, vor der Lade des HERRN, bis zum Abend, er und die Ältesten von Israel, und sie warfen Staub auf ihr Haupt. Und Josua sagte: Ach, Herr, HERR! Wozu hast du denn dieses Volk über den Jordan geführt, um uns doch in die Hand der Amoriter zu geben, damit sie uns vernichten? O hätten wir uns doch entschlossen, jenseits des Jordan zu bleiben!… sie werden uns umzingeln und unsern Namen von der Erde ausrotten!…
Josua 7,6-9
Interessant ist, dass er inhaltlich fast die gleichen Worte gebraucht, wie die Botschafter damals in der Wüste:
Wozu bringt uns der HERR in dieses Land? Damit wir durchs Schwert fallen…? Wäre es nicht besser für uns, nach Ägypten zurückzukehren? Und sie sagten einer zum andern: Lasst uns ein Haupt über uns setzen und nach Ägypten zurückkehren!
4.Mose 14,3-4
Eine kleine (natürliche) Niederlage nach einem gigantischen (übernatürlichen) Sieg hatte ihn dazu gebracht, an allem zu zweifeln. Wir merken, Josua war auch nur ein Mensch, wie wir. Ein Mensch, der die Krise bekam, weil es anders lief, als er erwartet hatte. Da lag er nun und bewarf sich mit Staub (was ein interessantes geistliches Bild ist) und klagte und jammerte. Doch Gottes Antwort an Josua – es war das achte Mal, dass Gott ihn direkt persönlich ansprach – war keineswegs verständnisvoll für die ja ach so tragische Situation. Ganz unzimperlich antwortete Gott auf das Gejammer frei übertragen eher nach dem folgendem Motto (Josua 7,10-15):
„Steh auf, was liegst du da im Dreck? Hör auf rumzuwinseln, es gibt ein handfestes Problem und du bist derjenige, der es beseitigen muss, bevor es hier weitergehen kann. Los, los! Du sollst stark und mutig sein, doch was bist du? Schwach und zaghaft. Hallo, hast du es immer noch nicht verstanden?“

Josua hatte nicht nach dem Grund der Ai-Niederlage gefragt, sondern hatte schlechte Kunde vernommen, Misserfolg gesehen, seinen Blick auf die negativen Umständen gerichtet und sich dadurch vollends entmutigen lassen, und dass, obwohl Gott ihm genau für diesen Bereich der Verzagtheit, der Entmutigung, der Enttäuschung und Frustration einen klaren, unmissverständlichen Befehl gegeben hatte.
Dem mächtigen Glaubensmann Elia sollte es später übrigens einmal ganz ähnlich gehen, als er nach einem gewaltigen übernatürlichen Sieg gegen den Baalskult von den Drohungen einer Königin Isebel völlig aus dem Konzept gebracht wurde und kleingläubig verzagte (1.Könige 18 und 19).
Gott wiederholte nochmals seine Anordnung, seine Anweisung, an Josua, mit anderen Worten, aber inhaltlich völlig identisch und unmissverständlich:
Fürchte dich nicht und erschrick nicht!…
Josua 8,1
Ich denke, wir können viel aus dieser Begebenheit lernen. Denn Gottes Anweisung an uns lautet ganz genauso: Geht weiter! Seid getrost! Seid mutig! Seid kühn! Bleibt dran! Niemals zurück! Du kannst das, was ich für dich vorbereitet habe, erreichen! Schau nicht zurück! Lauf deinen Lauf! Du kannst siegen! Du kannst vorwärtsgehen und dein Land einnehmen. Du kannst am Glauben festhalten, auch wenn die Umstände schlecht zu sein scheinen. Du kannst!
Josua jedenfalls verstand seine Lektion. Er nutzte die zweite Chance, nahm Ai ein und ging auch fortan kühn, souverän und entschlossen weiter. Er nahm das Land ein, das Gott den Söhnen Israels versprochen hatte. Ein Land der Versorgung, des Überflusses, des Segens. Ein Land, in dem sie siedeln konnten, heimisch wurden, säen und ernten konnten – ein Land, in dem sie leben und Gott dienen konnten.
Und…
er ging niemals zurück!
© Sigrid und Martin Baron
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