Gold für die Ewigkeit

Martin Baron
Was ist Läuterung? Der heute selten benutzte Begriff wird in unserem Sprachgebrauch interessanterweise fast ausschließlich im Zusammenhang von Sühne, von „Reinigung des Geistes“, von Umkehr und „Besserung“ gebraucht. Es handelt sich also um ein klassisch christliches Thema.
Dabei bezeichnete der Begriff ursprünglich nichts anderes als einen „handwerklichen“ Vorgang zur Veredelung einer Sache durch einen Reinigungsprozess. Dieser Reinigungsprozess konnte dabei sehr unterschiedlich aussehen. Noch heute spricht man bei der Herstellung von Glas beispielsweise von Läuterung. Es geht darum, die in der geschmolzenen Glasmasse enthaltenen Luftbläschen zu beseitigen, die die Qualität und Haltbarkeit des Glases stark beeinträchtigen würden.
Auch in der Forstwirtschaft gibt es die Läuterung. Bei der Pflege einer Forstkultur werden in der Schonung die kleinen, verkrüppelten oder zu eng stehenden Bäume beseitigt, um so den anderen mehr Lebensraum und Kraft zum Wachstum zu geben. Würde dies nicht getan, so würde nur minderwertiges, dürres Holz entstehen und die Bäume würden sich gegenseitig ersticken. Läuterung also im Sinne von Auslese.
Am bekanntesten ist uns selbstverständlich der Läuterungsprozess, der zur Reinigung von Gold, Silber oder anderen Edelmetallen notwendig ist. Er wird in der Bibel, in der immer und immer wieder von Gold (über 420 mal), Silber (über 280 mal) und Edelsteinen die Rede ist, häufig aufgegriffen, zum Beispiel:
Und ich bringe den dritten Teil ins Feuer, läutere sie, wie man das Silber läutert, und prüfe sie, wie man das Gold prüft…
Sacharja 13,9
Zweifellos: Gold nimmt unter den Edelmetallen den ersten Platz ein: Seine Vielseitigkeit, seine Beständigkeit und die zeitlose Faszination seines Glanzes, der an die Sonne erinnert, ist einzigartig. Es ist sehr gut formbar. Gold konnte man zu allen Zeiten leicht mit sich führen, es war überall akzeptiert und wird seit jeher als universales Zahlungsmittel im Handel zwischen Völkern und Nationen eingesetzt. Gold ist das Material, mit dem Weltreiche errichtet wurden und dessen Mangel sie zu Fall brachte. Ohne Gold konnte keine Kultur eine Blütezeit erreichen.
Und Gold besitzt auch eine wichtige geistliche Bedeutung. Es ist ein Bild für geistliche Schätze. Es ist ein Bild für das Volk Gottes.
Interessant ist, dass Gold, nahezu überall auf der Welt vorkommt und das noch nicht einmal so selten, wie man vermuten mag. Das Problem ist allerdings, dass es fast ausschließlich in winzigen Mengen zu finden ist, Mengen, die häufig eine „wirtschaftliche“ Gewinnung des edlen Materials unmöglich machen.
Man geht davon aus, dass alles bereits geförderte und gehortete Gold der Erde nicht mehr ergäbe, als einen Kubus von 18 x 18 x 18 Metern – und das, obwohl man berechnet hat, dass es viele Millionen Tonnen Gold auf der Erde geben muss, aber – wie gesagt – eben in winzigen Mengen, zum Beispiel aufgelöst in den Meeren der Welt (1 Gramm Gold auf 50 Kubikmeter Wasser). Gold ist also deshalb so edel, weil es schwer und nur mit hohem Einsatz zu gewinnen ist. Es liegt (in dieser Welt) eben nicht auf der Strasse.
Im Altertum gab es im Wesentlichen drei Methoden, das edle Metall, das sich weder an der Luft noch unter Wasser verändert, das weder rostet, noch Patina ansetzt, das gegenüber chemischen Einwirkungen grundsätzlich außerordentlich widerstandsfähig ist und zudem stets seinen Glanz behält, zu gewinnen bzw. zu veredeln.
Diese Läuterungsvorgänge besitzen einige interessante geistliche Bezüge zu unserem Leben als Christen.
Die Wäsche

Die älteste und einfachste Methode der Goldgewinnung ist die Goldwäsche, die jeder von uns aus Western über den „Goldrausch“ am Yukon, Klondike oder Sacramento kennt. Doch Goldwäsche gibt es bereits nachweislich seit etwa 6000 Jahren. Man weiß, dass in Ägypten bereits gegen 4000 v. Chr. damit begonnen wurde, auf diese Weise Gold zu gewinnen. Die Methode war bald überall auf der Welt bekannt und wurde nahezu unverändert über die Generationen beibehalten – auch in Deutschland und überall in Europa. Namen wie „Goldbach“, „Goldberg“, „Goldbrunn“ zeugen noch heute davon. Goldhaltige Sande und zerkleinerte Gesteine (sog. „Seifen“) wurden mit Wasser vermischt und in Pfannen solange geschwenkt, bis sich die schwereren Goldbestandteile, die zumeist aus kleinen Blättchen bestanden, von Schlamm und Sand trennten und herausgesammelt werden konnten. Schon das älteste Buch der Bibel, Hiob, spricht davon:
Ja, für Silber gibt es einen Fundort und eine Stelle für Gold, wo man es auswäscht.
Hiob 28,1
Zur Zeit Jesu vollbrachten die Römer, die für die Finanzierung ihrer Kriegszüge große Mengen an Gold benötigten, erstaunliche Ingenieurleistungen, um an das begehrte Metall heranzukommen. Man weiß, dass sie beispielsweise ganze Flüsse umleiteten um Gold waschen zu können. Sie unterminierten ganze Gebirgszüge und brachten sie durch aufgestautes Wasser zum Einsturz. Man nimmt an, dass sie durch Sklaven und Gefangene zwischen 100 v. Chr. bis 150 n. Chr. allein im Nordwesten der iberischen Halbinsel etwa 1,5 Mio. kg Gold abgebaut haben. Ohne dieses Gold wäre Rom vielleicht nie so bedeutend geworden.
Der geistliche Aspekt bei dieser Art der Goldgewinnung liegt auf der Hand. Inmitten wertlosen Gerölls verbirgt sich das, was wirklich Wert hat. Es ist völlig vermischt mit großen Mengen von Stein und Sand und kaum zu erkennen. Doch durch Schwenken und Schütteln (also durch Erschütterungen) und viel Wasser (ein Bild für den heiligen Geist) wird das wertlose Gestein fortgespült und das schwerere Gold herausgesiebt. Es kostet viel Zeit und Mühe, dieses Gold zu gewinnen, es ist mit Arbeit und Plackerei verbunden. Dreck und Unrat müssen fortgespült und das Kostbare vom Unwerten getrennt werden.
Ich glaube, dass dies ein Bild dafür ist, wie Gott sein Volk aus der Welt „heraussiebt“. Inmitten von viel Staub und Dreck verbergen sich die „Nuggets“, das kostbare Material, das er gebrauchen will, um sein himmlisches Jerusalem damit zu erbauen. Mit viel Einsatz und Mühe gewinnt er das Gold. Er holt es heraus aus dem toten Gestein, trennt es durch das Spülen im Wasser des Geistes, durch fortwährende Erschütterungen und „Rütteln“. Er holt es heraus aus seiner Umgebung, er trennt es von dem, was in seinen Augen keinen Wert hat. Es ist das „Herausgewaschene“. Der neutestamentliche Ausdruck für Gemeinde lautet „Ecclesia“, die „Herausgerufenen“. Gottes Volk, sein „Gold für die Ewigkeit“, ist mit viel Einsatz gewonnen worden. Unser Herr gab alles dafür.
Bereits bald stellte man fest, dass durch diese Methode jedoch nur knapp die Hälfte des enthaltenen Goldes gewonnen werden konnte. Über 50% des kostbaren Materials bleib in der ausgewaschen Masse zurück, weil sie im Gestein gebunden war. Zudem kommt Gold in der Natur meist nicht in „gediegener“, also reiner Form vor, sondern ist mit Silber, mit Kupfer oder anderen Metallen chemisch gebunden, man spricht von einer Legierung.
Auch dies erinnert an das Volk Gottes. Mit wie viel Dingen ist es doch „verbunden“ und dadurch nicht freigesetzt? Wie viel Gebundenheit besteht zu Dingen, die in Gottes Augen nicht wirklich wertvoll sind oder die gar nichts anderes als wertloses, einfaches Gestein und Geröll darstellen? Wie oft halten seine Kinder an unseligen Verbindungen fest, trotz dem reinigenden Wasser des heiligen Geistes und dem „Wasserbad des Wortes“ (Epheser 5,26)?
Bereits vor Jahrtausenden suchte man deshalb nach effektiveren und besseren Methoden, um das kostbare Material gewinnen zu können.
Das Schmelzen

Zunächst begann man das goldhaltige Material, das man zumeist in Flussläufen fand, zusammenzutragen und in speziell konstruierten Hochöfen zu schmelzen. Bald schon entdeckte man jedoch, dass auch in den Tiefen der Erde das begehrte Gold zu finden war und begann, das goldhaltige Gestein auch unter Tage abzubauen. Dieses Gestein musste zerkleinert, zerbröselt, zermahlen und dann in Schmelzöfen sehr hoch erhitzt werden, damit das Gold sich verflüssigte und aus dem Steingemenge heraus fließen konnte. Der Schmelzpunkt von Gold liegt bei 1063 Grad C. und es war schon einiges an antiker Ingenieurkunst notwendig, um Öfen zu konstruieren, die diese Temperatur halten konnten.
Der Schmelzprozess wurde mehrfach wiederholt. Immer wieder musste das Gold verflüssigt werden, damit sich die Verunreinigung – die Schlacke – absetzen konnte um abgeschöpft zu werden. Im erstarrten Zustand waren Verunreinigungen und Schmutz innerhalb des Goldes kaum auszumachen, aber sowie es sich verflüssigte, zeigte sich, wie viel Schlacke noch eingebettet war. Mit jedem einzelnen Schmelzprozess wurde mehr Schmutz herausgefiltert, wurde das Material reiner, wertvoller und „hochkarätiger“. Mit zunehmender Temperatur verliert das Gold übrigens seine typische „goldene“ Farbe. Es wird zunächst hellgelb und ist als geschmolzenes Metall zitronengelb und leicht grünlich.
Die geistliche Komponente ist auch hier unschwer zu erkennen. Durch das Feuer (wiederum ein Bild für den heiligen Geist) und die anhaltende Hitze trennt sich das Gold der Kinder Gottes aus dem Gestein der Welt heraus, in das es fest und scheinbar unlösbar eingebettet war. Nach dem „Herausschmelzen“ beginnt ein Reinigungsprozess der immer wieder wiederholt wird und der zu einem Abschöpfen der Schlacke der Sünde in den Nachfolgern Jesu führt. Das Gold wird reiner, wertvoller und vollkommener, also schlackenfreier. Die „Karatzahl“ steigt.
Erprobe mich, HERR, und prüfe mich; läutere meine Nieren und mein Herz!
Psalm 26,2
Im festen Zustand mag der Goldklumpen, äußerlich betrachtet, durchaus sehr gut und wertig aussehen, doch erst der Läuterungsprozess bringt zutage, was sich alles in ihm verbirgt, unsichtbar für das menschliche Auge, jedoch nicht unsichtbar für den Herrn der Herrn:
…Denn der Mensch sieht auf das, was vor Augen ist, aber der HERR sieht auf das Herz.
1.Samuel 16,7
Erst die Bedrängnis, die Anfechtungen, das Feuer, die Hitze bringt hervor, was wirklich in jedem von uns steckt. Mag die Oberfläche auch glänzen und gut aussehen, der Wert des Goldes richtet sich nicht nach dem äußeren Anschein, auch wenn er uns beeindrucken mag. Gott sieht in das Verborgene, das Herz, dass, was hinter der Fassade liegt. Und er will, dass wir reiner, vollkommener, wertvoller werden. Deshalb lässt er die Glut zu, die Hitze von Problemen, Widrigkeiten, Anfechtungen, ja sogar Verfolgung, um das, was in uns steckt zum Vorschein zu bringen.
Geliebte, lasst euch durch das Feuer der Verfolgung unter euch, das euch zur Prüfung geschieht, nicht befremden, …sondern freut euch…
1.Petrus 4,12-13
Gott selbst ist es, der uns reinigen will, der uns in seinen Augen zu etwas Wertvollem und Kostbaren machen will und dazu die Methode der Läuterung nutzt. Er selbst steckt uns „in den Ofen“.
Dies ist eine Sichtweise, die uns als Christen zumeist gar nicht so recht gefällt. In Jesus Christus sind wir doch geheiligt, sind errettet, sind erlöst, alles ist prima, der Herr ist mit uns und für uns; er will, dass es uns gut geht – und wir erhoffen uns ein Dasein, das einem Spaziergang auf sonnenbeschienenen und blumenübersäten Wiesen mit einem zarten Frühlingswind und schattigen Plätzchen zum Verweilen gleicht.
Umso herber ist die Ernüchterung, wenn wir irgendwann feststellen, dass Gott eine ganz andere Vorstellung davon hat, wie unser Dasein verlaufen soll. Er will, dass unser Leben in seinen Augen kostbar ist, beständig, gereinigt, feuererprobt. Bequemlichkeit und übermäßiger Luxus scheinen ihm da in der Regel fehl am Platze zu sein. Er will „Material“ haben, das für die Ewigkeit haltbar ist. Material, aus dem er sein himmlisches Jerusalem, die Stadt aus Gold, erbaut aus lebendigen Bausteinen, errichten kann (Offenbarung 21). Er will „Gold für die Ewigkeit“.
Der Schmelztiegel für das Silber und der Ofen für das Gold; aber ein Prüfer der Herzen ist der HERR.
Sprüche 17,3
Und dieses Material muss durchs Feuer gereinigt werden, die Bibel spricht unmissverständlich davon, egal, ob uns dies zusagt oder nicht. Jeder Schmelzprozess steigert den Wert des Goldes. Jedes Abschöpfen von Bestandteilen der Schlacke macht es wertvoller. Genauso ist es bei uns. Wenn wir in Schwierigkeiten geraten, in Stress, Druck und Hitze, dann zeigt sich, „was in uns steckt“.
Wir mögen in eine Situation großer Anfechtung geraten, zum Beispiel finanzieller Bedrückung, falschen Behauptungen, Mobbing, Spott oder, oder, oder. Plötzlich ist das, was unseren Glauben oder unsere Vision bisher ausmachte, in Frage gestellt und wir beginnen zu (ver-)zweifeln, Gott anzuklagen, zu murren, zu schimpfen. All das war schon vorher in uns vorhanden, doch erst das Feuer lässt diese Schlacke an die Oberfläche steigen. Häufig sind wir selbst erschrocken, was noch so alles in uns im Verborgenen versteckt lag. Vielleicht lassen wir uns in der Bedrängnis zu Lügen hinreißen, oder dazu, zurückzuschlagen oder uns zu rächen. Oder wir laufen weg, flüchten, werfen Gott alles vor die Füße, kehren ihm den Rücken zu, weil es uns nun doch „zu heiß wird“. In der Not erst zeigt sich, was noch alles in uns „schlummert“.
Doch das Positive ist, dass gerade in diesem Zustand, in dem wir erschrocken auf den Schmutz starren, der da an die Oberfläche kommt, eben genau diese Schlacke abgeschöpft werden kann. Gerade jetzt, wo sie durch die Hitze nach oben gekommen ist, können wir zu Gott gehen, Buße tun, ihn um Vergebung bitten und dank seiner Gnade und Weisheit echte Reinigung empfangen.
Das ist der Sinn des Ganzen. Gott will uns zeigen, was noch in uns steckt um uns zu reinigen und das Sündige abzuschöpfen. Sollten wir ihm nicht erlauben wollen, unsere Schlacke abzuschöpfen, weil wir sie vor ihm, vor unseren Mitmenschen und vielleicht auch vor uns selbst verstecken wollen, dann wird keine Reinigung erfolgen. Der Läuterungsprozess war umsonst … und muss umgehend wiederholt werden.
Siehe, ich habe dich geläutert, doch nicht im Silberschmelzofen; ich habe dich geprüft im Schmelzofen des Elends.
Jesaja 48,10
Uns mag es nicht gefallen, wenn die schwarzen Partikel handfester Sünde plötzlich an die Oberfläche unseres polierten Christenlebens kommen. Gott jedenfalls ist durch das Auftauchen der Schlacke nicht erschüttert oder überrascht. Er wusste, was noch so alles in uns liegt. Und gerade deshalb hat er ja diesen Prozess der Läuterung in Gang gesetzt. Nicht um uns zu zeigen, wie sündhaft und unvollkommen wir sind, sondern um uns zu reinigen und noch wertvoller zu machen.
Denn du hast uns geprüft, Gott, du hast uns geläutert, wie man Silber läutert.
Psalm 66,10
Es gibt kaum etwas Ermutigenderes im Leben eines Christen, als diesen geistlichen Vorgang zu verstehen. Das Schwere, das uns widerfährt, hat einen tiefen Sinn und ist – aus Gottes Sicht der Ewigkeit heraus betrachtet – das absolut Beste, was uns passieren kann. Er selbst legt Hand an uns, um uns zu einem „Material für die Ewigkeit“ zu machen, zu Gold in Gottes Hand. Unvorstellbar wertvoll. Unvorstellbar kostbar. Feuererprobt. Immer wieder bewährt und gereinigt.
…damit die Bewährung eures Glaubens viel kostbarer befunden wird als die des vergänglichen Goldes, das durch Feuer erprobt wird, zu Lob und Herrlichkeit und Ehre in der Offenbarung Jesu Christi.
1.Petrus 1,7
Das Amalgam
Doch es gab im Altertum noch eine andere Methode um Gold zu läutern. Sehr bald nämlich stellte man fest, dass das so widerstandsfähige Material eine sehr eigentümliche Eigenschaft besaß: es löste sich in Quecksilber auf.
Tatsächlich gibt es nur wenige Stoffe, die Gold „angreifen“ können. Dazu zählt das „Königswasser“ (eine rauchende Mischung aus Salpeter- und Salzsäure), Cyanidlauge und eben Quecksilber. Quecksilber ist das einzige Metall, das bei Normaltemperaturen flüssig ist. Der Schmelzpunkt dieses Materials liegt bei minus 38,8 Grad C. Vermengt mit goldhaltigem Gestein löste es das Gold heraus und bildete damit eine Legierung, ein so genanntes „Amalgam“.
Bereits zu den Zeiten der Römer nutzte man diesen chemischen Vorgang zur Gewinnung und Reinigung von Gold. Dem Golderz wurde Quecksilber beigemischt, das sich mit dem Gold verband, das entstehende Gemenge wurde dann „ausgepresst“, also mit großer Kraft durch Leinen- bzw. Ledersäcke hindurch gepresst, die eine Art Siebfunktion wahrnahmen. Zurück blieben die größeren Bestandteile wie Sand und Steine und auch ein großer Teil des Quecksilbers. Das verbleibende Amalgam musste anschließend auf über 360°C erhitzt werden (das so genannte „Ausglühen“), wobei das Quecksilber verdampfte und das Gold zurückblieb.
Doch der Nachteil lag auf der Hand: es gab massive Gesundheits- und Umweltschäden durch den ungeschützten Umgang mit dem äußerst gefährlichen Schwermetall, das bereits bei Zimmertemperatur verdunstete. Die Dämpfe sind hochgiftig und führen zu Organschäden wie auch motorischen Störungen, die absolut irreparabel sind. Im Englischen gibt es das Sprichwort „Mad as a hatter“ (Verrückt wie ein Hutmacher), das daher stammt, das zur Bearbeitung des Filzstoffes Quecksilber eingesetzt wurde. Die Schäden an den Menschen, die damit arbeiteten, waren offensichtlich. Doch das Ausglühen, also Verdampfen des Quecksilbers war ein noch vielfach giftigerer Vorgang. Als zur Vergoldung der mächtigen Kuppel der Kathedrale in Sankt Petersburg beispielsweise 100 Kilogramm Gold nach diesem Verfahren gewonnen wurden, starben allein 60 Arbeiter an einer Quecksilbervergiftung.
Ich glaube, dass Quecksilber im übertragenen Sinne ein Bild für Sünde ist. Das giftige Material löst das wertvolle, an sich völlig ungiftige Gold auf und verbindet sich mit ihm. Heraus kommt etwas Unbrauchbares, Dickflüssiges mit gelbgrauer Farbe. Die Schönheit und der Reiz des Goldes sind völlig verloren. Es ist aufgelöst und befindet sich in einem Zustand der Wertlosigkeit.
Ist es nicht genauso mit der Sünde? Sie ist ein todbringendes Gift, das all das, was in Gottes Augen Wert hat, „auflöst“ und verdirbt. Sie zerstört das Gold unseres Lebens, nimmt uns unseren Wert, unsere Festigkeit, unseren Halt und unseren Glanz. Sie macht unser Leben zu einer breiigen, schmierigen Angelegenheit. Sie verändert unsere „Substanz“, unser ganzes Dasein, unser Aussehen und all das, was wir eigentlich sind. Und… sie macht uns giftig für andere.
Wenn Christen sich wissentlich mit Sünde einlassen, sich mit ihr verbinden – im Bild gesprochen also eine Legierung eingehen - so bleibt nichts von dem übrig, was ihre eigenen Qualitäten ausmacht und sie sind, geistlich gesehen, entstellt.
Dies ist etwas anderes, als wenn in einem Klumpen aus Gold noch Schlacke und Schmutzpartikel enthalten sind. Dies ist eine Veränderung des gesamten Wesens durch die Macht der Verbindung mit der Sünde. Der Goldklumpen ist immer noch Gold, doch beim Amalgam ist vom Gold nichts mehr zu sehen.
So viele Christen meinen, dass „Gott schon ein Auge zudrückt“, wenn sie mit bewusster Sünde herumkokettieren. Sie dulden „Verbindungen“ in ihrem Leben, die nicht gut sind – und nehmen nicht wahr, dass sie dadurch in einen Prozess hineingeraten, der sie völlig entstellt, der sie verändert, der sie verwässert, der ihnen das raubt, was sie eigentlich sind: Gold in Gottes Hand.
Soll aus dieser schmutzigen Substanz, dieser trüben Brühe, wieder Gold gewonnen werden, so sind zwei Dinge unbedingt notwendig: Druck und Hitze. Der Druck, der das aufgelöste Gold durch die Tücher, das Sieb, hindurchpresst die einen Teil der Sünde - des Quecksilbers - bereits zurückhalten. Und anschließend die Hitze des Ausglühens, die dazu führt, dass die Sünde entweicht und wieder Gold entsteht.
Wir sollten die negative Wirkung, die bewusst zugelassene Sünde auf unser Leben hat, nicht unterschätzen. Geistlich gesehen entstellt sie uns völlig. Sie ändert unsere Substanz. Sie nimmt uns mehr, als wir uns vorstellen können.
Haben wir „Quecksilber“ in unserem Leben geduldet? Hat es unser Leben verdorben?
Lassen wir zu, dass derjenige, der die Herzen prüft, uns in seinen Prozess der Reinigung hinein nimmt. Lassen wir Druck und Hitze seiner Läuterung zu, denn er will uns unseren Wert zurückgeben. Er will uns wieder zu seinem Gold machen. Kostbar, wertvoll und feuererprobt für die Ewigkeit.
Damit ihr tadellos und lauter seid, unbescholtene Kinder Gottes…
Philipper 2,15
© Sigrid und Martin Baron
Veröffentlichung unter Quellenangabe „www.gottes-haus.de“ gestattet
alle Fotos: stock.xchng (www.sxc.hu)
- Eingeschlossen oder ausgeschlossen.
- Einmal Emmaus und zurück.
- Erfüllt von Freude.
- Freude an einem Tag wie diesem.
- Gold für die Ewigkeit.
- Gottes job-description.
- Kampf und fette Beute.
- Karriere ganz anders.
- Maria - Neubeginn.
- Ohne Kampf kein Sieg.
- Unterwegs in das Land der Verheißung.
- Vom Zerbruch zum Aufbruch.
- Was feiern wir an Weihnachten.
- Zeit.