Erfüllt von Freude

Martin Baron

Freude ist mit Sicherheit eines der schönsten Dinge, die es in unserem Leben gibt. Freude ist etwas, das das Leben lebenswert und reich macht. Menschen investieren viel Zeit, Kraft und Geld um Freude zu erleben oder sich „eine Freude zu gönnen“.

Was macht Freude? Zum Beispiel eine gute, intakte Beziehung oder ein persönlicher Sieg, ein Durchbruch in irgendeinem Lebensbereich oder ein angenehmes Hobby, ein Urlaub, ein schöner Garten, gutes Wetter und, und, und…

Watt dim inen sin Uhl, is dem andren sin Nachtigall!“ pflegte meine Mutter mitunter zu zitieren. Das Sprichwort soll bedeuten, dass das, was dem einen Freude macht, für den anderen etwas geradezu Schauerliches sein kann. Der eine empfindet beispielsweise Freude beim Lesen eines 800-Seiten-Romans. Für den nächsten ist es eine Horrorvorstellung, sich durch dieses Buch quälen zu müssen. Der eine empfindet schiere Freude, wenn die Laola-Welle durch die Fankurve rollt, der nächste eher bei einem gediegenen Bach-Konzert in der Oper. Der eine platzt vor Freude bei einer Monstertruck-Show, der nächste züchtet lieber Orchideen. Diese Liste ist schier unendlich fortzusetzen.

Was dem Einen Freude macht, ist für den Anderen langweilig, für den Nächsten echte Arbeit und für den Vierten die schiere Qual. Mancher freut sich, wenn er vor 5.000 Menschen sprechen darf, für den nächsten sind schon 5 zu viel.

Ich bin überzeugt: Gott hat die Dinge, die uns Freude machen, gezielt in uns hineingelegt und es ist weise, damit in guter Weise geistlich unverkrampft umzugehen. Das, was uns Freude macht, ist meist genau das, wo unsere Befähigung, unsere Berufung, unsere Stärke liegt. Ganz wichtig für jeden einzelnen beim Bau des Reiches Gottes: lasst uns nicht an unseren Schwächen herumdoktern, sondern die Dinge nutzen, in denen wir stark sind, die uns liegen, die uns Freude machen. Leider haben in der Vergangenheit Christen aufgrund eines falsch verstandenen Auftrages oft gemeint, für Gott genau das tun zu müssen, was ihnen gerade am allerwenigsten Freude machte. Dementsprechend trübe waren die Ergebnisse…

Dabei ist es völlig natürlich und geistlich gesund, das zu tun, was uns Freude macht. Der eine empfindet Freude, wenn er viel Zeit in Fürbitte verbringen kann, der nächste macht lieber Straßenevangelisation, der nächste Musik um den Herrn zu loben, der nächste die Gemeindefinanzen usw.

Dient dem HERRN mit Freuden…
Psalm 100,2

Freude ist etwas Gutes, etwas von Gott gegebenes, etwas, das uns auf dieser Erde schon zeigt, was uns in der Zeit nach diesem irdischen Leben, bei Gott, in der „Vollendung“, oder, wie man allgemein sagt: „im Himmel“, erwartet. Denn eines ist ohne den geringsten Hauch eines Zweifels klar: im Himmel wird Freude herrschen. Große und anhaltende Freude!

…Fülle von Freuden ist vor deinem Angesicht…
Psalm 16,11

Ich glaube fest, dass Jesus der Mensch mit der größten Freude war, der jemals über diese Erde geschritten ist. Er war voller Freude, sie gehörte zu ihm, sie war Basis-Bestandteil seines Wesens. Jesus war ein Mann der Freude. Wie komme ich zu dieser ungewöhnlichen Behauptung? Im Hebräerbrief 1,9 finden wir folgende Aussage über Jesus:

„…darum hat dich, o Gott, dein Gott gesalbt mit Freudenöl vor deinen Gefährten."

Wörtlich heißt es: …mit dem Öl des Jubels… Der Schreiber des Hebräerbriefes zitiert hier aus Psalm 45, in dem es unter anderem auch heißt:

Sie werden geführt unter Freude und Jubel, sie ziehen ein in den Palast des Königs [also in Gottes Haus].
Psalm 45,16

Jesus war von Gott selbst gesalbt mit diesem Öl der Freude. In der Bibel wurden Menschen gesalbt um in ihre von Gott gegebene Berufung, ihre eigentliche Bestimmung, hineinzukommen, insbesondere betraf dies Könige und Priester. Salbung ist so etwas wie eine von Gott gegebene, übernatürliche Befähigung, einen bestimmten Auftrag ausführen zu können.

Das Wort „Messias“ bedeutet: „der Gesalbte“. Man wusste: der von Gott im Alten Testament immer wieder verheißene Erlöser, Retter und Befreier musste von ihm in besonderer Weise gesalbt sein, berufen sein, befähigt sein. Dies war so wichtig, dass man ihm sogar den Namen „der Gesalbte“ gab. Wir wissen, dass Jesus tatsächlich von Gott dem Vater eine Salbung erhalten hat. Es ist die „Salbung der Freude“. Es ist etwas, das ihn deutlich hervorhebt unter den Gefährten, also den Menschen, die mit ihm unterwegs waren, die zu ihm gehörten, seinem Team, seinem Volk.

Freude und Jesus gehören deshalb untrennbar zusammen. Jesus ist der Mann der Freude. Der teufel kennt keine Freude. Er und seine infamen Diener sind völlig freudlos. Alles, was das Böse empfinden kann, ist finstere Genugtuung über Zerstörung, Leid und Elend, dass es den Menschen grundlos antut. Es ist das dumpfe Johlen des Hasses und der Verwüstung. Ich bin sicher, dass der teufel genauso wenig, wie er Frieden kennt, wie er Liebe kennt oder wie er Hoffnung kennt, eine Ahnung davon hat, was echte Freude ist.

Freude ist etwas, das zu Gott gehört, zum Licht, zum Schöpfer. Dies wird vor allem darin deutlich, dass Freude etwas ist, das der heilige Geist hervorbringt:

Denn das Reich Gottes ist… Friede und Freude im Heiligen Geist.
Römer 14,17

Die Frucht des Geistes aber ist: Liebe, Freude, Friede, Langmut…
Galater 5,22

Der Teufel hat keine Frucht des Geistes, hat somit auch keine echte Freude und kann demnach auch keine echte Freude weitergeben. Alles was er anzubieten hat, ist inhaltsleere Scheinfröhlichkeit, die einen schalen Geschmack und einen unstillbaren Hunger nach mehr davon hinterlässt.

C.S. Lewis greift dies in „Der König von Narnia“ auf. Der türkische Honig der weißen Hexe, der nichts anderes bewirkt, als ein gieriges Verlangen nach immer mehr davon hervorzurufen, entspricht satans trügerischen Angeboten scheinbaren Freude.

Doch es ist mit dem, was Gott gibt, in nichts zu vergleichen. Gott gibt uns unaussprechliche Freude:

Die Jünger aber wurden mit Freude und Heiligem Geist erfüllt.Apostelgeschichte 13,52

Ist das nicht genial? Der heilige Geist und Freude gehören ebenso untrennbar zusammen, wie Jesus und Freude zusammengehören. Der heilige Geist ist der Geist der Freude. Wenn er in uns wohnt, dann wohnt die göttliche Freude in uns. Tiefe echte Freude. Diese Freude des Herrn ist so tief in uns verwurzelt, so tief in uns hineingelegt, dass keine Umstände, keine Schwierigkeiten und Probleme unseres Alltags sie auslöschen kann. Es gehört zum Fundament unseres Lebens als Christ, ist Grundbestandteil unseres Daseins – egal, ob wir uns momentan danach fühlen oder nicht. Es ist „part of the package“, es gehört uns, es ist Teil unserer Erlösung, unserer Rettung, unseres Heils, unserer Erfüllung mit dem heiligen Geist. Freude ist etwas, das uns zusteht, das uns gehört.

Der Teufel ist genau hinter dieser Freude her. Er versucht unablässig, sie uns zu rauben, denn er weiß: die Freude am Herrn ist unsere Kraft. Und es gibt nichts auf dieser Welt, was er mehr fürchtet, als Christen, die in Freude und Kraft vorwärts gehen, um Gottes Reich zu bauen.

Dass der Teufel die tief in uns hineingelegte Freude nicht wirklich rauben kann, habe ich einmal äußerst eindrücklich erlebt und zwar in einer Stunde, die leicht die letzte meines Lebens hätte sein können.

Vor einigen Jahren fuhr ich eines Abends einen Spielfreund meines Sohnes Johannes, der den Nachmittag über bei uns gewesen war, mit unserem Van wieder nach Hause. Auf dem Rückweg kam es auf der Landstrasse zu einem heftigen Autounfall. An einer Kreuzung fuhr mir, aus einer untergeordneten Strasse kommend, ein Golf rechts hinten mit voller Geschwindigkeit in das Fahrzeug. Beide Wagen fuhren etwa 90 km/h. Unser Van drehte sich durch den Aufprall etliche Male auf der Straße, überschlug sich rundum und blieb letztlich in einem Acker auf der Beifahrerseite liegen. Der Airbag öffnete sich nicht, da es kein Frontalzusammenstoß war. Der Golf der jungen Frau schleuderte ebenfalls, beide Wagen kamen ca. 100 m voneinander zum Stillstand. Durch den immensen Aufprall wurde unsere Heckklappe abgerissen und über 50 Meter weit weggeschleudert. Wir kletterten benommen hinten aus dem Wagen. Joe hatte eine Prellung am Arm sowie eine Platzwunde am Kopf.

Ansonsten blieben wir beide, und auch die Fahrerin des Golfs, völlig unversehrt -  ein echtes Wunder! Die junge Frau war zunächst fest davon überzeugt, auf der Vorfahrtsstraße gefahren zu sein und wirklich betroffen, als sie sich von der tatsächlichen Vorfahrt-Situation überzeugt hatte.

Das Beeindruckendste jedoch war, dass nach dem Unfall aus unserem völlig demolierten Auto (siehe Abbildung) laute Lobpreismusik erschallte, sogar recht fetzig von Sion Alford. Stundenlang klang das Lob des Herrn über den Acker mit Polizei, Krankenwagen und Abschleppdienst. Beim Aufprall lief gerade folgendes Lied:

„This Joy, that I have, the world didn’t give it to me ... the world didn’t give it and the world can’t take it away!
This Peace, that I have, the world didn’t give it to me ... the world didn’t give it and the world can’t take it away!
This Dance, that I dance, the world didn’t give it to me ... the world didn’t give it and the world can’t take it away!”

Das Ganze war für uns letztlich - so verrückt es auch klingen mag - ein positives Erlebnis. Denn wir erlebten Gottes Bewahrung und Schutz ganz real. Wir spürten seine Hand über uns. Als der Wagen dort lag, ich oben und Joe unten in den Sitzgurten hingen, erfüllte ein ganz sonderbarer Frieden das Fahrzeug. Joe fragte "Was war denn das?" und ich antwortete: "Das war ein Unfall, irgendjemand hat uns hinten angedotzt. Komm, wir machen, dass wir hier rauskommen…!" Alles in allem war es die totale Bewahrung Gottes. Eine Sekunde vorher hätte es mindestens zwei, ja vielleicht sogar drei Tote gegeben.

Ein Brettspiel mit dem symbolträchtigen Namen „Spiel des Lebens“ befand sich im Kofferraum und wurde durch den Unfall herausgeschleudert, auseinander gewirbelt und in weitem Umkreis verstreut. Die Botschaft war klar: Mag dein Leben auch wild durcheinanderkommen… das Lied der göttlichen Freude läuft weiter!

Ich bin sicher: der Teufel kann die uns von Gott ins Herz gelegte Freude nicht wirklich rauben. Aber er kann uns ablenken und unseren Blick trüben. Er kann uns ablenken. Die große Frage ist deshalb: erlebst du diese Freude, diese echte tiefe Freude in deinem Leben? Oder haben negative Umstände, Hindernisse, Ausweglosigkeiten, Sorgen, deine Freude schier erstickt? Wir alle wissen, dass dies leicht möglich ist.

Der Teufel hasst Freude, er fürchtet sie, er verabscheut sie und er versucht die Freude eines jeden Christen auszulöschen, wo immer es ihm möglich ist. Mit einem starren, steifen, freudlosen, religiösen System hat er keinen Stress, aber Menschen, die in echter geistlicher Freude durchs Leben gehen, stellen für ihn immer eine echte Bedrohung dar. Freude an Gott könnte andere anstecken, könnte um sich greifen, könnte Menschen für das Reich Gottes interessieren. Es könnte klar machen, dass es sich beim Christentum keinesfalls um die altertümliche, verstaubte, freudlose Angelegenheit handelt, wie er immer vorzugaukeln versucht, sondern dass es im Gegenteil das Begeisterndste auf der Welt ist, Gott zu begegnen. Nichts ist faszinierender, hinreißender, überwältigender, großartiger, herrlicher als Gott. Nichts bringt mehr Freude, als ihn zu kennen, ihn zu lieben, als die Gewissheit ewiges Leben in seiner Gegenwart haben zu dürfen. Echte Freude kommt aus dem Heil, der Rettung, Befreiung, Erlösung durch Jesus Christus. Das ist Freude, die in Ewigkeit Bestand hat. Freude – unaussprechliche Freude.

Erlebst du diese Freude? Diese wirkliche, tiefe, von innen kommende Freude? Du kennst diese Freude sicherlich von früher, vielleicht von der Zeit nach der Hinwendung zu Jesus, der Zeit der „ersten Liebe“. Aber was ist mit heute? Wir leben im Jetzt, in der Gegen wart. Ist echte Freude Bestandteil deines Lebens? Oder eher das Gegenteil: Betrübnis, Depression, Kummer, Leid, Niedergeschlagenheit, Traurigkeit?

Ich möchte dir etwas sagen, das auf den ersten Blick recht irritierend klingen mag, aber ich bin überzeugt: Freude ist keine Sache des Gefühls.

Vielleicht denkst du: „Quatsch! Freude ist doch gerade ein Gefühl, was soll es denn sonst sein?“ Ich möchte es wie folgt erläutern: Natürlich gibt es Freude, die von unseren momentanen Stimmungen, unseren Emotionen getragen wird, genauso wie beispielsweise Trauer. Aber diese Freude entspringt nur dem „seelischen“ Bereich unseres Wesens.

Der Begriff „Seele“ steht im christlichen Verständnis für unser Wollen, unser Denken und unser Fühlen. Aber wir bestehen nicht nur aus Körper und Seele. Wir bestehen nicht nur aus unserem Leib nebst Wollen, Denken, Fühlen. Wir sind mehr. Wir bestehen aus Leib, Seele und… Geist. Christen sind Menschen mit einem lebendigen Geist, denn Gottes Geist wohnt in uns, hat in uns Wohnung bezogen.

Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?
1.Korinther 3,16

Und dieser Geist, der in uns lebt, ist ein Geist der Freude. Er verändert sich nicht. Er war vor 2.000 Jahren zu Pfingsten ein Geist der Freude und genauso ist er es auch noch heute. In dir lebt die Freude, wenn du Jesus Christus als deinen Herrn und Retter angenommen hast. Es ist genauso wie mit der Liebe. Gottes Liebe ist da und sie ist in dir, egal ob du sie empfindest oder nicht. Es ist wie mit unserem Heil, unserer Erlösung. Entspricht dein momentan erlebtes Gefühl deinem Heil? Fühlst du dich heute besonders erlöst? Normalerweise nicht. Trotzdem wissen wir ohne Zweifel, dass wir errettet sind. Es ist die Basis unseres Glaubens. Genauso ist es mit der Freude. Du magst dich danach fühlen oder nicht, aber in dir lebt ein göttlicher Geist, der bis zum Rand mit Freude gefüllt ist.

Der Teufel redet dir ein, dass du dich – in deiner Seele – nicht „freudig“ fühlst und liefert dir gleich ein paar Erklärungen mit, warum dem so ist. In der Regel sind es irgendwelche Dinge, die anders laufen, als du es dir vorgestellt hast. Und weil du dich nicht freudig fühlst, hast du auch keine Freude in dir. Doch Stopp! Das ist völliger Unsinn. Das du dich unfreudig fühlst, mag auf deiner seelischen Ebene stimmen, doch auf einer höheren Ebene lebt der Geist der Freude in dir. Und wenn du ihm Raum gibst, ihn „suchst“, es innerlich zulässt, dann kann alle Traurigkeit zu Freude werden, kann dich seine Freude wieder neu erfüllen:

Frohlocken und deiner sich freuen sollen alle, die dich suchen!…
Psalm 70,5

Du hast als Christ eine Quelle der Freude in dir, von der die Menschen der Welt keine Ahnung haben. Du kannst jederzeit zu dieser Quelle gehen, egal wo du bist, egal, wie es dir geht, egal, was dein momentanes Empfinden sagt.

Sie ist nur ein Gebet entfernt.

Lebe in der Freude des Herrn!

Sie gehört dir.

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Unser Tipp:
Ziehe dich irgendwohin zurück, komm ein wenig zur Ruhe und bete dann im Vertrauen auf Gott ein Gebet wie dieses:

Dreieiniger Gott, du hast alles für mich hingegeben, hast mich als dein Gegenüber geschaffen, hast mich errettet, erlöst, mir ewiges Leben gewährt und mir deinen wundervollen heiligen Geist geschenkt, den Geist unerschöpflicher Freude.

Dem Teufel ist es gelungen, meinen Blick von deinen Segnungen, deiner Liebe, deiner Gnade und Hilfe abzulenken und so habe ich das Empfinden echter Freude in meinem Leben verloren.

Bitte öffne mir die Augen für das, was du mir geschenkt hast. Öffne den Quell der Freude neu in mir, lass mich neu wieder hineinkommen in die Freude am Herrn, die meine Stärke ist.

Ich wende meine Augen ab von den scheinbar negativen Dingen und schaue hin auf dich, den Anfänger und Vollender des Glaubens – und den Anfänger und Vollender echter geistlicher Freude.

Amen.

 

© Sigrid und Martin Baron
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