Kampf und fette Beute

Gedanken zu 2. Chronik 20: Joschafats Sieg
Sigrid Baron
Mein Arbeitstag hatte schon früh begonnen und schon am späten Vormittag hatte ich das Gefühl, bereits für den Rest des Tages „ausgelastet“ zu sein. Es war alles so hektisch gewesen, so anstrengend und zum Bibellesen war ich auch nicht gekommen.
Dabei würde mir gerade jetzt ein richtig ermutigender Text gut tun. Jeder kennt diesen täglichen Kampf ums Bibellesen. Wir alle wissen, dass es die Nahrung für unser Herz ist, aber…
Nun, das wollte ich ändern – und zwar jetzt gleich. Ich schlug meine Bibel auf der Suche nach einem ermutigenden Wort auf. Nach einigem Blättern und Lesen fiel mein Blick auf folgende Stelle:
Und nun, es hat dir gefallen, das Haus deines Knechtes zu segnen, dass es ewig vor dir sei; denn du, HERR, hast es gesegnet, und es wird gesegnet sein für ewig.
1.Chronik 17,27
Das war das Gebet, das David für sich und sein Haus betete. Das gefiel mir sehr gut. Das ist genau das, was ich heute brauche. Segen über mein ganzes Haus. Segen für mich, meinen Mann, meine Kids – einfach: mein ganzes Haus! Und dieser Segen sollte Ewigkeitsbestand haben. Das war echt gut. Super! Da konnte ich mich zurücklehnen, denn der Herr würde ja alles schon „machen“!
Getrost und ermutigt wollte ich, mit dankbarem Herzen, nun meine Bibel schließen, um mich dem Rest des Tages zu widmen. Ich legte ein Lesezeichen in die Seite, für alle Fälle, falls ich an diesem Tag noch einmal einen kleinen Nachschlag davon brauchen würde. Doch gerade da fiel mein Blick auf die Nachbarseite, wo mir folgendes ins Auge springt:
Und wieder gab es einen Kampf…!
1.Chronik 20,5
Ist das nicht genau unser Alltag? So gern würden wir uns immer nur im Segen baden (so richtig Wellness für Herz und Seele). Und doch geht es auch um Kampf, um die Waffenrüstung des Kämpfers, um Feinde und den Sieg über sie. Es geht um kämpfen, um stehen bleiben und um überwinden. Denn Gott schaut aus nach Überwindern.
Der HERR kennt die Tage der Rechtschaffenen, und ihr Erbteil wird ewig bestehen.
Psalm 37,18
Eine meiner Lieblingsgeschichten steht im Alten Testament. Es ist die Geschichte von Joschafat, die uns in 2.Chronik 20 berichtet wird. In vielen meiner Lebenssituationen habe ich diese Geschichte gelesen und sie hat mich immer wieder ermutigt. Wie oft habe ich mit dem Herrn über diesen Bericht gesprochen und mich danach ausgestreckt, dass er mir sein Wort in der jeweiligen Situation ganz neu aufschließt.
So kann ich mich gut an eine besondere Nacht erinnern, die mir echt zu lange, zu dunkel und zu heftig wurde. An Schlaf war nicht zu denken. Langsam spürte ich jeden Knochen, ganz egal, wie ich mich auch legte. Ich stand auf, legte mich wieder hin – nichts zu machen. Eigentlich hatte alles mit einem einzigen, kurzen Gedanken angefangen, aus dem heraus sich ein Kettenglied an das andere fügte. Mit einem einzigen Gedanken fängt alles an. Selbst ein Dieb hat mit einem Gedanken, der nur in seinem Kopf existierte, seine Tat begonnen. Unsere Gedanken bestimmen unsere Herzenshaltung, bestimmen, was wir empfinden und wie wir entscheiden.
Ich hatte in dieser Nacht über die Lebenssituationen unserer Kinder nachgedacht.
Sie waren und sind bis heute heftigen Attacken ausgesetzt und wirklich hart umkämpft. Da sind Krankheiten, ungute Entwicklungen, Wege, die eingeschlagen wurden, die uns nicht gefallen, heftige Schulprobleme … Ein Gedanke kam zum anderen und mit ihnen diese Gefühle von Ohnmacht und Handlungsunfähigkeit. Bald hatte ich das Empfinden, dass da eine Kette wie eine Fessel um mich gelegt wurde, die mich binden und schier erdrücken sollte. Ich fand einfach keinen Anfang, wo ich mich hätte befreien können, sie wurde immer stärker. Gleichzeitig wurde auch der Kampf in meinen Gedanken heftiger. Szenen kamen vor meine inneren Augen, die mich völlig deprimierten, auch wenn sie eigentlich nur „gedacht“ waren. Jedes Glied dieser Kette schien einen Aufdruck zu tragen, auf dem stand: „Unmöglich!“.
Unsere Gedanken sind der strategisch wichtigste Kampfplatz des Feindes. Siehst du, der Feind tut das, um sein erstes und wichtigstes Ziel zu erreichen, uns zu verwirren. Plötzlich weiß man nicht mehr, wie man denken und handeln soll, alles scheint irgendwie verworren zu sein. Dann kommt er mit Mutlosigkeit, Furcht und Schwäche um uns matt zu setzen. Letztlich kann es soweit gehen, dass er uns in völlig depressives Denken hineinbringt. Sein Ziel ist es, uns zu „verschlingen“ (1.Petrus 5,8).
Natürlich sind die Umstände und Probleme schwierig, eben weil sie für uns ja unüberwindbar sind. Sie sind keinesfalls mal eben schnell instantmäßig vom Tisch zu räumen. Aber sie sind nur im „Natürlichen“ unüberwindbar. Deshalb brauchen wir den Anschluss an das übernatürliche Wirken der Kraft Gottes in unserem Leben. Er kann ausnahmslos alles verändern. Für ihn gibt es kein „Unmöglich“.
Doch wie geschieht das? Mitten in meinem bedrängenden Gedankenkampf rief ich zum Herrn und bat ihn um ein Wort. Er ließ mir ein Wort aus eben dieser Geschichte Joschafats in meinen Sinn kommen, ein Wort, das diese Gedankenkette unterbrach:
…Denn in uns ist keine Kraft vor dieser großen Menge, die gegen uns kommt. Wir erkennen nicht, was wir tun sollen, sondern auf dich sind unsere Augen gerichtet.
2.Chronik 20,12
Gedanken können uns daran hindern, unser Ziel zu erreichen. Der erste Schritt in die richtige Richtung heißt immer: „Stopp! Ich will mein Denken auf etwas anderes ausrichten!“ Wir müssen uns in diesen „Gedankenstopps“ üben, die wir mit dem Wort Gottes ausfechten. Wir müssen lernen so zu denken, wie Gott denkt.
Ich war in jener Nacht getröstet mit diesem Wort. Hatte ich doch verstanden, dass der Herr sich um uns kümmern würde, dass er meine Angst verstand und um meine Ohnmachtsgefühle sehr wohl wusste. „Aber auf dich sind meine Augen gerichtet!“ Er sprach mir seine Hilfe zu. Das bedeutete für mich, er würde handeln. Glaube stellte sich ganz neu in den Mittelpunkt meines Denkens. Eine Bibelübersetzung bezeichnet „Glauben haben“ als „das Stützen meiner ganzen Persönlichkeit auf Gott, in vollkommenem Vertrauen und in Zuversicht auf seine Kraft, seine Weisheit und seine Güte“.

Wenn der Feind dich bedrängt, wird es dir wenig helfen, liegen zu bleiben. Du musst aufstehen mit Glauben an Gottes Möglichkeiten und dem festen Wissen, dass du sein geliebtes Kind bist und dich nichts von ihm trennen kann. Mein Tipp: lies oft Römer 8,18-39, es wird dir helfen, in dieser Gewissheit zu leben.
Wie ging es weiter mit Joschafat, dem König von Juda (weißt du, dass Juda „Lobpreis“ bedeutet)? Zwei Dinge an ihm gefielen Gott: er hatte die fremden Götter aus dem Land geschafft und er hatte sein Herz darauf gerichtet, ganz Gott zu gefallen (Kap. 19,3). Fast am Ende von Kapitel 20 heißt es in Vers 32:
Und er ging auf dem Weg seines Vaters Asa und wich nicht davon ab, indem er tat, was recht war in den Augen des Herrn.
Das ist ein Rat auch für uns. In Sprüche 4,20-27 und 22,17-18 wird es uns auch deutlich. Lies diese Texte immer wieder, sie werden dir helfen!
Der Feind kommt, heftig, bedrohlich, übermächtig. Joschafat hat Angst. Angst kann heftige Turbulenzen in uns auslösen – bis hin zu körperlichen Schmerzen. Sie leitet – fast automatisch – unseren Blick auf das Unmögliche. Sehr effektiv wird Angst vom Feind gebraucht um uns zu lähmen. Aber Joschafat kennt seinen Gott. Er tut das Richtige. Er erkennt seine menschlichen Begrenzungen und bittet den, der alle Gewalt im Himmel und auf Erden hat. In Vers 6-12 betet er in dieser Gewissheit:
… in deiner Hand ist Kraft und Macht; und niemand kann gegen dich bestehen … Wenn Unglück über uns kommt… und wir treten vor dieses Haus und vor dich … und schreien zu dir um Hilfe aus unserer Bedrängnis, dann wirst du hören und retten.
Siehst du, dein Gebet ist immer nur einen Atemzug von Gott entfernt. Wir haben in unserem Leben manche Krisen durchlebt und durchlitten. Unsere drei Kinder waren mehrmals lebensbedrohlich gefährdet, ein Konkurs war nicht abzuwenden und vieles mehr. Oft hatten wir das Empfinden: wir wissen nicht, was wir tun sollen. Menschliche Lösungen gab es nicht. Ein Ausweg war nicht zu finden.
Das Einzige, auf das wir uns immer stützen konnten, war das Vertrauen in Gott und das Wissen, dass er handeln würde. Daran müssen wir noch heute lernen und üben – wir sind mitten in unsere Kämpfe gestellt - und das Vertrauen in Gott ist einer der wichtigsten Angriffspunkte des Feindes.
Wie sieht nun die Lösung aus? Gott wirkt durch seinen Heiligen Geist (Vers 14). Das ist damals, wie heute unser großes Unterpfand: der Helfer, der Tröster, der Planer der Wunder (auch: wunderbarer Ratgeber). Er lebt in uns. Er ist bereit, uns zu helfen.
Eine wichtige Stelle dazu findest du auch in deiner Bibel in 2.Samuel 22.
Es ist das Lied von der Befreiung, die David erlebt hatte. Es sind sehr lesenswerte Verse, die dir helfen können, in deinem Herzen klar ausgerichtet zu bleiben und zum Kampf ermutigt zu werden. Daraus nur einen Gedanken aus Vers 20:
Und er führte mich heraus ins Weite, er befreite mich, weil er Gefallen an mir hatte.
Ist das nicht genial?
Ich bin überzeugt, dass der Heilige Geist mir in jener Nacht den Vers aus dem Wort Gottes vermittelt hatte. Wir brauchen dringend in unserem Leben diese „Heilig-Geist-Gedankenstopps“, um siegreich leben zu können.
Welches sind die Waffen unseres Kampfes? Epheser 6,10-17 beschreibt sie uns, bekannt als die „geistliche Waffenrüstung“. Glaube mir: der Herr hat eine Rüstung wirklich maßgeschneidert passend für dich. Sie ist nicht zu schwer, nicht zu klein und nicht zu groß, sondern genau passend für dich. Eine ganz entscheidende Waffe stellt Joschafat vorne vor seine Armee, vor seine Kämpfer: das sind die Lobpreiser. Es heißt in Vers 20:
Und zu der Zeit, da sie mit Jubel und Lobgesang anfingen, legte der HERR einen Hinterhalt gegen die …, die gegen Juda gekommen waren; und sie wurden geschlagen.
Ja, vielmehr noch: das Volk hatte mit Joschafat bereits im Vorfeld, bevor sie überhaupt gegen den Feind auszogen waren, mit Lobpreis begonnen. Vers 19:
…standen auf, um den Herrn, den Gott Israels, zu loben mit überaus lauter Stimme.
Du weißt, wie schwer das ist, stimmts? Du stehst mittendrin, kein Ausweg, nur Bedrängnis, Angst, Probleme. Überall um dich herum: Unmöglich! Doch erhebe dich und preise den Herrn, auch dann, wenn du (noch) nichts siehst. Es ist einfach die „Extrameile“ (so bezeichnete es einmal Joyce Meyer), die wir gehen müssen, um einen Sieg zu vollbringen. Das meint der Philipperbrief, wenn er sagt, dass wir mit Flehen und Danksagung vor Gott kommen sollen. Da ist ja noch gar nichts an positivem Ergebnis zu sehen. Da ist ein fester Entschluss notwendig (im wahrsten Sinne des Wortes: die Not wird gewendet). Der Entschluss: „Ich preise meinen Gott… und zwar jetzt!“

…Und ganz Juda und die Bewohner von Jerusalem fielen nieder vor dem HERRN, um den HERRN anzubeten.
2.Chronik 20,18
Das Genialste ist, dass das Volk noch nicht einmal einen Finger rühren musste, noch irgendeinem dem Feind Auge in Auge gegenüberstehen musste. Als sie auf den Aussichtspunkt kamen, sahen sie, dass alle vernichtet waren, niemand war entkommen (Vers 24). Das war ihnen bereits vorab durch das Reden des heiligen Geistes angekündigt worden. Er hatte ihnen Trost in ihre Herzen gegeben:
Nicht ihr werdet dabei kämpfen müssen. Tretet hin, steht und seht die Rettung des HERRN, die er euch verschafft, Juda und Jerusalem! Fürchtet euch nicht und seid nicht niedergeschlagen! Zieht ihnen morgen entgegen, und der HERR wird mit euch sein!
2.Chronik 20,17
Und dann erlebten sie nicht nur einen mächtigen Sieg, sondern machten auch überaus fette Beute! Ich bin sicher: das ist es, was der Herr für seine Kinder wirken will und wird.
Vielleicht bist du noch nicht beim Einsammeln deiner Beute, vielleicht bist du noch mitten im Kampf, oder gerade dabei, ausgerüstet zu werden. Egal: der Sieg gehört dir!
Am Ende des Verses 17 steht der entscheidende Hinweis:
…der HERR wird mit euch sein!
In jener dunklen Nacht fiel die Kette von mir ab, als ich an den Herrn und seine Kraft erinnert wurde und im Glauben gegen die Bedrückung dieser Kette innerlich aufstand. Ich hatte Gott an meiner Seite erlebt. Ich weiß: er wird sein Versprechen einhalten und mir mit meinen Kids, in unserer Familie, und in vielen anderen Bereichen „fette Beute“ geben.
Wie ging es bei Joschafat nach seinem Sieg weiter? Sein Sieg wurde bestätigt. In Vers 30 lesen wir:
…Und sein Gott schaffte ihm Ruhe ringsumher!
Die Tragik in Joschafats Leben trat ein, als er sich aus strategischen Überlegungen heraus mit Ahasja, dem König von Israel, verband. In Vers 35 wird dieser König in seinem Handeln als gottlos bezeichnet. Joschafat, der Nachfahre Davids, ein Mann, der Gott gesucht und in seinen Geboten gelebt hatte, „dessen Herz Mut gewann, auf den Wegen des Herrn“ (2.Chronik 17,3-6), hatte sich unter ein falsches Joch begeben (2.Korinther 6,14), um Anteil zu haben am Werk eines Gottlosen. Deshalb handelte der Herr auch dementsprechend.
Deshalb: lass uns weise sein und mit ungeteiltem Herzen dem Herrn nachfolgen. Lass uns bleiben in den Wegen des Herrn, denn nur dann wird er an unserer Seite bleiben.
Kampf und fette Beute sind zu finden, wenn wir auf den Wegen des Herrn bleiben.
So lass dich ermutigen! Und gehe weiter auf seinen Wegen.
© Sigrid und Martin Baron
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