Grünes Licht vom Himmel

Sigrid und Martin Baron

30 Jahre alt war der Handwerker. Er hatte das Alter erreicht, das man in Israel haben musste, um in den levitischen Dienst im Heiligtum eintreten zu können. Er wusste, wer er war und welch atemberaubende Aufgabe er in seinem Leben hatte. Er kannte seinen einzigartigen Ruf. Aber er wartete all die langen Jahre, bis der Zeitpunkt gekommen war, um in die unvergleichliche Mission, in die ihn der himmlische Vater gesandt hatte, hineinzutreten. Jesus wartete, bis Gott ihm zeigte, dass nun der richtige Moment gekommen war, um in den Dienst zu treten. Er wartete, bis er vom Himmel „grünes Licht“ bekam. Er wartete, bis der heilige Geist ihn führte, ja, bis er vom Geist „getrieben“ wurde. Wohin? Zunächst zur Taufe im Jordan und unmittelbar darauf in die Wüste, in die Zeit der Versuchung, der Erprobung, der Einsamkeit. Er wartete, bis er von Gott die Information bekam: „Jetzt!“

Und sogleich treibt ihn der Geist in die Wüste hinaus.
Markus 1,12

Die Bibel ist voll von Begebenheiten, die uns zeigen, dass Gott zu sehr bestimmten Zeitpunkten eingreift, bzw. sehr bestimmte Zeiträume verstreichen lässt. Oft geschieht über einen entsetzlich langen Zeitraum nichts – einen Zeitraum, der zermürbt, der an den Nerven zehrt, der Kräfte raubt. Warum lässt Gott sich so oft so viel Zeit? Ich glaube, dass Gott einen genauen Zeitplan hat, dass er sehr gezielt und strategisch in die Geschichte eingreift. In die Geschichte der Menschheit wie auch die eines jedes einzelnen von uns.

Als aber die Fülle der Zeit kam, sandte Gott seinen Sohn…
Galater 4,4

Das ist eine interessante Aussage. Gott wartet also darauf, dass sich gewisse Zeiträume erfüllen. Sein Handeln erfolgt nach einem – für uns nicht einsehbaren und daher nicht nachvollziehbaren – Zeitplan, einem göttlichen „Masterplan“. Er entscheidet, wann er was tut. Wir haben als heutige Christen häufig ein Gottesbild, das diesen Bereich der göttlichen Souveränität etwas ausklammert. Wenn wir eine Not haben und beten, erwarten wir, dass Gott aktiv wird. Und zwar am besten sofort. Wenn dann nichts geschieht, oder nicht das, was wir erwartet haben, kommen Zweifel auf und unversehens sind wir enttäuscht, klagen Gott an, murren…

Ich glaube, dass Gott jedes Gebet hört, doch wann und wie er darauf reagiert, behält er sich vor. Er braucht sich unserer „Instant-Mentalität“ nicht zu beugen. Abraham als biblisches Vorbild für Gläubige, für Menschen, die ihre alte Heimat, ihr Vaterhaus, hinter sich gelassen haben und auf dem Weg in ein von Gott verheißenes Land sind, sozusagen auf einer „Glaubensreise“, ist dafür ein gutes Beispiel. Gott verhieß etwas, Abraham nahm es mit Freuden an und dann … geschah über Jahre nichts. Eine Zeit, in der Abraham an der von Gott gegebenen Verheißung festhalten musste. Lange – ganz lange – entsetzlich lange - viel länger, als gedacht - bis irgendwann tatsächlich der Zeitpunkt Gottes gekommen war. Interessanterweise dann, als die Verheißung menschlich gesehen für Abraham schon lange unmöglich geworden war.

Kennst du das? Hat Gott dir Dinge verheißen? Hast du eine göttliche Berufung erhalten? Hast du gebetet und die innere Gewissheit erhalten, dass deine Anliegen erhört worden sind… aber doch tut sich nichts. Es dauert. Es zieht sich schier endlos hin.

Als aber die Zeit der Verheißung nahte…
Apostelgeschichte 7,17

Stell dir einen vierzehnjährigen Teenager vor. Er würde nichts lieber tun, als das Auto seines Daddys zu fahren. Und tatsächlich: er hat die „Verheißung“ erhalten, dass er eines Tages das Auto fahren wird. Er hat mit seinem Vater darüber gesprochen und ist sich seiner festen Zusage völlig gewiss. Er weiß es. Er glaubt es. Aber dennoch… er darf nicht fahren. Es geht nicht, es ist unmöglich. Denn zunächst muss ein bestimmter Zeitpunkt erreicht werden: der Zeitpunkt seines 18. Geburtstages. Der Junge kann tun, was er will, er kann bitten und betteln soviel er will, er kann sich vorbereiten soviel er will, er kann proklamieren soviel er will und daran glauben wie ein Weltmeister … er muss auf diesen besonderen Tag warten. Und bis dahin ist eine Zeitspanne zu durchleben, zu durchschreiten – vielleicht auch zu durchleiden. Ganz abgesehen davon gibt es auch noch einige spezielle Prüfungen, die zuvor zu absolvieren sind.

Ich denke, dass es in der geistlichen Welt ganz ähnlich ist. Gott weiß sehr genau, wann er was tut und wann er uns welche „Fahrerlaubnis“ erteilt.

Lasst uns seiner Weisheit vertrauen. Er weiß, was er tut. Lasst uns auf sein „grünes Licht vom Himmel“ warten, auf den Moment, wo er sagt: „Liebes Kind, jetzt geht es los!“. Und sei gewiss: er meint es gut mit dir.

 

© Sigrid und Martin Baron
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