Freude und Kampf!

Sigrid Baron
Die letzten Gäste waren abgereist und es blieben noch die vielen Kleinigkeiten, die jetzt weggeräumt werden wollten. Wie es bei Festen so ist, werden die schönsten Sachen hervorgeholt, um sie hinterher für das nächste Fest wieder weg zu packen.
Es war ein schönes Fest gewesen. Seit Langem hatten sich alle Familienmitglieder wieder einmal gesehen. Vergangenes, Veränderungen, Neuigkeiten, Zukunftspläne waren ausgetauscht worden. Und: das nächste Fest wurde bereits geplant – zumindest konnten Anlass und Termin festgelegt werden.
„Dankbarkeit“ war das Wort dieses Festtages gewesen und wir konnten tatsächlich dankbar auf so manches Ereignis zurückblicken. Wir freuten uns schon auf die „Nachlese“, wenn wir uns die Fotos ansehen würden, die an diesem Tag gemacht wurden.
Als ich die Tür zum Gästezimmer öffnete, strömte mir die heiße Sommerluft entgegen und bauschte den dünnen weißen Vorhang weit in den Raum. Die Vögel zwitscherten. Helles Sonnenlicht flutete auf den Teppich und beleuchtete eine krass entgegengesetzte Szenerie. Mit beiden Füßen stand ich mitten in einer Kampfszene.
Unseren Sohn hatten die tiefsinnigen Gespräche der Gäste nicht so sehr interessiert. Vielmehr wurde er vom Dachboden angezogen, wo all die vielen Kisten standen, deren Inhalt weit spannender war. So hatte er sich eine Spielkiste ausgesucht und mit viel Geduld und Einsatz all die vielen kleinen Figuren aufgebaut. Da waren die Soldaten in ihren blauen Uniformen, die Indianer im bunten Federschmuck. Etwas abseits standen die kleinen Indianerzelte und ein paar Indianerfrauen, die an einer Feuerstelle arbeiteten. Soldaten wie Indianer hatten ernste, wild entschlossene Gesichter – fast schmerverzerrt. Gewehre, Pfeil und Bogen hielten sie fest in ihren Händen und waren in ihrer ganzen Körperhaltung auf das Ziel – den Feind ausgerichtet. Um was es ging? Mitten durch die beiden Fronten jagte eine mit Gold beladene Kutsche, die von den einen erobert und von den anderen beschützt werden sollte. Ein heftiger Kampf – nicht ohne Verluste – tobte da vor meinen Augen. Wer würde siegen?
Natürlich war es nur Kinderspielzeug. Aber ich dachte: Ja, so ist es wirklich. Eben waren wir noch fröhlich am Feiern gewesen und im nächsten Augenblick stecken wir bis zu den Knien in einem heftigen Kampf.

So ist unser Leben. Wir haben nicht immer nur das Eine oder das Andere. Unsere Kämpfe sind so verschieden, wie wir Menschen sind. Vielleicht kämpfst du mit einer heftigen Krankheit, mit Arbeitslosigkeit oder mangelnden Finanzen, mit einer schwierigen Ehe, wo die Kommunikation irgendwo stecken geblieben ist, mit Kindern, die sich in einer schwierigen Lage befinden… Es gibt endlos viele Kampfszenen, die in unserem Leben toben.
Jeder von uns muss seine Kämpfe kämpfen. Wir können uns aber ermutigen, anfeuern, beim Training helfen. Denn kämpfen muss gelernt werden.
Sag jetzt nicht: „Schon wieder kämpfen. Ich hab es so satt. Kann man sich denn nicht mit netteren Dingen beschäftigen?“ Lass dich ermutigen. Bete, dass der Herr dir einen Satz in dein Herz spricht – vielleicht aus diesem Brief von uns - mit dem du weiter vorwärts gehen kannst. Und den du vielleicht als Waffe gebrauchen kannst.
Egal, wie dein Feind aussieht und wie bedrohlich er sich positioniert hat, eins ist sicher: Gott ist für dich und sein Plan ist der, dich aus deinem Kampf siegreich herauszuführen! Der Herr hat vorgesorgt, ja vielmehr ist seine Zusage, dass er unsere Kriege führen wird, wie es in 2.Chronik 32,8 steht:
Aber mit uns ist der Herr, unser Gott, um uns zu helfen und unsere Kriege zu führen!
Gib nicht auf, selbst dann nicht, wenn dein Kampf schon lange andauert. Vielleicht ist heute der Sieg für dich da. Verpasse ihn nicht. Wenn du beim Thema Kampf „abgelöscht“ bist, möchte ich dir sagen: Lass dich aufrichten. Verdränge nicht die Dinge, die dir so schmerzhaft sind, dass du das Empfinden hast, keine Kraft mehr zu haben, gegen deinen schier übermächtigen Feind anzugehen.
Ich sage dir: Fasse Mut! Der Herr kommt – er ist für dich. Lass von ihm dein Herz bewegen, bleibe ausgerichtet auf ihn. Lese sein Wort. Und wenn sich der Feind tausendmal einschleicht, nur um dir zu sagen, dass dir das Bibellesen „gar nichts bringt“. Lass dich von Gott neu beschenken. Streck dich nach ihm aus. Es lohnt sich, dran zu bleiben!
© Sigrid und Martin Baron
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