Alles neu!

Martin Baron
Ich bin mir sicher, dass heute, wie auch schon zu Zeiten der ersten Apostel und Missionare eines der wesentlichen Hauptmerkmale des Christentums die „Botschaft des Neubeginns“ ist. Es war nicht nur eine neue Botschaft, die verkündet wurde, sondern die ganze Message des Evangeliums lautete: Es gibt etwas Neues! Es gibt die Möglichkeit, etwas völlig Neues zu erleben, in etwas völlig Neues hineinzutreten, ja, sogar selbst völlig neu zu werden. Es gibt die Möglichkeit, einen echten und realen Neubeginn zu erleben. Nichts muss so bleiben, wie es jetzt ist.
Die alten heidnischen Kulte der Germanen, der Kelten, der Wikinger und vieler anderer Völkergruppen auf der ganzen Welt basierten auf den natürlichen Gegebenheiten des Jahreskreislaufes mit den Eckdaten Wintersonnenwende, Sommersonnenwende, Herbst-Tag-und-Nachtgleiche sowie Frühlings-Tag-und-Nachtgleiche. Der Lauf der Jahreszeiten war Dreh- und Angelpunkt des Daseins. Frühling, Sommer, Herbst und Winter wurden parallel als Geburt, Jugend, Reife und Tod empfunden. Das Denken der Menschen bewegte sich im immer wiederkehrenden, sich stets und ständig wiederholenden Zyklus von Saat und Ernte, von Aufkeimen, Wachsen, Blühen, Fruchtbringen, Welken und Sterben. Um diesen jährlichen Lauf der Natur rankten sich skurrile Mythen und beklemmende religiöse Riten. Eins war klar: Der Jahreslauf war wie ein festgelegter Zyklus, der sich unendlich wiederholte und wiederholte. Der gleiche Ablauf kehrte ständig und ständig wieder. Alles blieb so, wie es schon immer war. Es gab keine wirkliche Veränderung, keinen wirklichen Anfang, kein wirkliches Ende.
Das Symbol der keltischen Religion war das achtteilige Rad, das diesen endlosen Lauf symbolisierte. „Jul“ wurde es genannt. Noch heute nennt man so das Weihnachtsfest in Skandinavien. Es gab keinen Wandel. Es gab nichts Neues – ich meine wirklich (!) Neues. Das Leben entstand aus dem Schoß der Natur und fiel irgendwann wieder dahin zurück, ein immerwährender Kreislauf ohne Ausweg.
Doch die Botschaft der christlichen Missionare war etwas völlig anderes und die Worte, die sie verkündigten, zerschnitten wie ein scharfes Schwert die uralten, muffigen, vermoosten und monströsen Bollwerke heidnischer Ausweglosigkeit und Gleichförmigkeit. Es war eine Botschaft, die Licht und Leben brachte. Frische Luft, blauen Himmel, Freude, Begeisterung, Aufatmen… und tatsächlich etwas völlig Neues, etwas nie Gehörtes, etwas Aufregendes, etwas unglaublich Hoffnung-Spendendes und Vision-Gebendes.
Es gibt einen Gott, der über diesem öden Kreislauf und seinen modrigen Mythen steht. Es gibt eine Kraft, die größer ist, als der endlos gleiche Ablauf irdischen Daseins. Es gibt etwas, was nicht den Naturgewalten und ihren Gesetzmäßigkeiten unterworfen ist. Es gibt einen Weg, heraus aus diesem letztlich sinnlosen Zyklus von immerwährendem Werden und Vergehen. Es gibt einen Gott der sagt:
Siehe, ich mache alles neu!
Offenbarung 21,5
Die Botschaft hätte revolutionärer, bahnbrechender, umwälzender nicht sein können. Neu. Ganz neu. Völlig neu... und völlig anders. Mit einem völlig anderen Denkansatz.
Gott ist ein Gott des Neuen. Er kann Situationen verändern, kann jederzeit in unbegrenzter Kreativität Neues wirken, Neues hervorbringen, Neues schaffen. Er ist nicht begrenzt durch irdische Abläufe, mögen sie auch für den Menschen noch so bedeutsam und beachtenswert erscheinen. Er ist der Gott, der eingreift, der aktiv Dinge und Situationen verändert, der Menschen beruft, befähigt, mit Kraft ausrüstet und mit ihnen geht. Er ist der Gott der tiefen, echten, innigen Liebesbeziehung, aus der ganz Neues hervorkommt:
Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben.
1.Korinther 2,9
Wenn wir die heilige Schrift unter dem Gesichtspunkt „neu“ betrachten, werden wir feststellen, dass sie geradezu davon strotzt, dass Gott Neues tut. Abgesehen von der eigentlichen Erschaffung der Welt aus dem Nichts heraus (neuer geht es wirklich nicht!), zu seinem immer neuen Eingreifen in die Geschichte der Menschheit. Nur einige Beispiele: die große Flut, die Verwirrung der Sprachen, die Berufung eines Menschen Abraham, um damit den Kernpunkt des Reiches Gottes inmitten einer gefallenen Schöpfung zu legen, die Herausführung eines ganzen Volkes aus der ägyptischen Gefangenschaft, die Gabe eines Bundes zwischen Gott und Mensch, die immer neuen Berufungen, Visionen, Prophetien, Zeichen und Wundern usw. usw.

Und dann, als absoluter Höhepunkt, das unvorstellbarste Ereignis aller Zeiten: Gott selbst wird Mensch, begibt sich in die Schöpfung hinein und schafft durch seinen Tod am Kreuz und seine Auferstehung aus dem Grab den ultimativen, absoluten, dramatischen Neubeginn überhaupt. Den für jedermann, der dessen willig ist, gangbaren Weg zu einem völligen Neubeginn, einem Neuanfang, der so einschneidend ist, dass die Bibel geradezu von einer Neugeburt spricht, einem neuen Menschen:
Daher, wenn jemand in Christus ist, so ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.
2.Korinther 5,17
Gott ist der Gott des Neuen, der Kreativität, der Schöpferkraft, des Ideenreichtums. Er ist genial. Er liebt es, Neues zu tun. Er liebt es, Neues hervorzubringen. Er liebt es, Menschen einen Neubeginn zu ermöglichen.
Denke einen Moment darüber nach. Die Heilige Schrift spricht beispielsweise darüber, dass wir Gott ein neues Lied singen sollen (zum Bsp. in Psalm 33,3; 40,4; 96,1; 98,1; 144,9; 149,1; Jes 42,10; Offb 5,9; 14,3). Wer auf ihn hofft, gewinnt neue Kraft (Jes 40,31). Der Herr wirkt Neues, er lässt uns Neues hören (Jes 42,9; 43,19; 48,6). Er gibt den Seinen einen neuen Namen (Jes 62,2; Offb 2,17; 3,12). Er schenkt ein neues Herz und einen neuen Geist ((Hes 11,19; 36,26). Er schafft einen neuen Bund (Jer 31,31; Lk 22,20; 1.Kor 11,25; 2.Kor 3,6). Wir werden von Neuem geboren (Joh 3,3; 2.Kor 5,17). Als Zeichen der Erfüllung mit dem Heiligen Geist werden die Christen in neuen Sprachen reden (Mk 16,17). Er gibt uns das neue Gebot der Liebe (Joh 13,34). Er schafft ein neues Jerusalem (Offb 3,12; 21,2). Ja – und als absoluten Neuanfang kommt einst der Zeitpunkt, zu dem er einen völlig neuen Himmel und eine neue Erde schaffen wird (Jes 65,17; 2.Petr 3,13; Offb 21,1).
Er ist der Gott, der alles neu macht. Alles! Das übersteigt das, was wir uns als beschränkte Geschöpfe vorstellen können. Das übersteigt unser Denken, Ermessen und Verstehen (Offb 21,5).

Er ist der Gott des Neuen. Er will Neues schaffen. Und das nicht nur im Großen, sondern auch im Leben eines jeden Einzelnen, der zu ihm gehört.
Er will Neues in deinem Leben schaffen. Er hat Neues für dich. Er hat mehr für dich. Er will dich in Neues hineinbringen, hat etwas für dich, was du nicht kennst und wovon du noch nie geträumt hast.
Er will kreativ in dein Leben eingreifen, will Veränderung schaffen, will das Alte, Muffige, Eingestaubte und Vermooste mit seinem frischen Wind und seinem Licht in Neues verwandeln.
Er will dir heraushelfen aus dem endlosen Problem, um das du dich immer wieder drehst, aus dem, das dich gefangen hält, das dich blockiert, lähmt und zermürbt. Sei es Selbstmitleid, Depression, Sucht, Panik, Rebellion. Sei es Bedrückung, Not oder falsche Entscheidungen der Vergangenheit. Sei es Krankheit, Unfreiheit, Arbeitslosigkeit, Beziehungsnöte, Armut oder was auch immer. Ich bin gewiss: Es gibt Lebensbereiche, in denen du gerade jetzt einen echten Neubeginn brauchst.
Darf Gott etwas Neues in deinem Leben tun? Lässt du das zu? Darf er Neues hervorbringen, dich in ein neues Land führen? Altes verändern, auch wenn es vielleicht weh tut? Oder bist du zu bequem? Hast du Angst? Sind Veränderungen dir unangenehm? Soll am besten alles so bleiben, wie es gerade ist?
Ich habe einmal einen Satz gehört, der mich ernstlich beschäftigt hat: „Den meisten Menschen ist eine bekannte Hölle lieber, als ein unbekannter Himmel!“
Sie bleiben lieber in dem, was sie kennen, mag es noch so beklemmend, schmerzhaft oder furchtbar sein, bevor sie bereit sind, etwas Neues zu empfangen, mag es auch noch so verheißungsvoll und vielversprechend sein.
Lass nicht zu, dass das Alte dich eingrenzt, dein Leben blockiert, dich erstickt und einengt. Schmeiß die Gedanken, dass alles sinnlos ist, dass alles immer so bleiben wird, wie es bisher war, und dass sich in deinem Leben nie etwas verändern wird, endlich über Bord. Es sind infame Lügen des Teufels. Es muss nicht so bleiben wie es ist. Gott kann Neues schaffen. Jederzeit. Auch bei dir. Und ich bin gewiss: Er kann es nicht nur tun, sondern er will es auch tun! Egal, welcher Lebensweg hinter dir liegt. Egal, wie deine Vergangenheit verlaufen ist. Egal, wie festgefahren deine Situation aussieht. Er kann eingreifen und Neues tun. Lass es zu! Gehe mit Gott in etwas Neues!
Ein Prediger sagte einmal: „Wenn Dein Traum geplatzt ist – träume einen neuen Traum!“ Genau das ist es. Geh vorwärts! Gott hat mehr für dich! Mach dich auf zu neuen Ufern, zu neuen Horizonten, zu neuen Herausforderungen, zu einem echten Neubeginn – an seiner Hand.
Er ist nur ein Gebet entfernt. Erlaube ihm einzugreifen. Lade ihn ein, in deinem Leben etwas Neues zu beginnen. Etwas wirklich (!) Neues…
© Sigrid und Martin Baron
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